»Die Stimme des Volkes gegen Sie ist Ihnen bekannt,« sagte Fritz ruhig, »Sie haben sie wenigstens bei Ihrem Austritt aus dem Saal der Geschworenen erfahren. Ich theile dessen Glauben, daß Sie gerade die Hauptschuldige des Verbrechens waren. Aber wie dem auch sei, ich will nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Dieses Schloß, das Sie die langen Jahre zu einem Fegefeuer Ihrer Untergebenen machten...«

»Herr Baron!« rief das gnädige Fräulein, emporfahrend.

»Soll Ihnen nicht verschlossen werden. Bleiben Sie, wenn Sie es wünschen, hier wohnen, und ich werde Ihnen in dem neuen Flügel Ihre Zimmer herrichten lassen. Im Schlosse selber wirthschafte ich aber von diesem Augenblicke an mit meiner Hausfrau als unumschränkter Herr, und meine Hausfrau,« fuhr er fort, sich nach dem schüchtern zur Seite stehenden Mädchen umdrehend und ihre Hand ergreifend, »wird Kathinka werden.«

»Kathinka?« rief Fräulein von Wendelsheim entsetzt, während der alte Verwalter mit einem dankbaren Blick nach oben seine Hände faltete und Staatsanwalt Witte leise vor sich hin mit dem Kopf nickte.

»Ich weiß, daß Sie ein nicht unbedeutendes Vermögen haben,« setzte Fritz hinzu, »hinlänglich wenigstens, um bequem davon leben zu können; sollten Sie deshalb vorziehen, Schloß Wendelsheim zu verlassen, so steht Ihnen nichts im Wege, ja, ich erlaube mir sogar, Ihnen noch einen jährlichen Zuschuß von tausend Thalern anzubieten. Bleiben Sie aber hier, so verbiete ich Ihnen hiermit auf das strengste, unsern Theil des Schlosses je zu betreten, oder...«

»Genug, genug, Herr Baron von Wendelsheim,« unterbrach ihn die Dame, in zornigem Grimm emporfahrend, »übergenug, um mir zu beweisen, daß Sie Ihrer Erziehung Ehre machen! Schloß Wendelsheim hat bis jetzt seinen alten Namen in Schmuck und Stolz bewahrt; ich will nicht Zeuge sein, wie er in den Staub getreten wird!«

Und sich rasch abwendend, eilte sie nach der Thür, durch die sie in Hast verschwand.

»Ich hätte nie geglaubt,« sagte Witte trocken, »daß ich noch in meinen alten Jahren ein solches Vergnügen empfinden würde, einen Drachen fliegen zu sehen; Fräulein von Wendelsheim's beste Seite ist aber entschieden ihr Rücktheil. Und das Ihre Braut, Baron?«

»Meine liebe, süße Braut!« rief Fritz, das tief erröthende Mädchen an sich ziehend. »Es ist rascher gekommen, als ich eigentlich glaubte; aber sie wollte uns hier entfliehen, und da wußte ich kein besseres Mittel, um sie zu halten, als sie zu bitten, mein braves Weib zu werden.«

»Und tausend Gottes Segen über Sie Beide,« rief der alte Verwalter jubelnd, »denn jetzt geht eine neue Sonne über Wendelsheim auf!«