»Lieber Salomon....«

»Warten Sie einen Augenblick, Herr Baron – Ihr Beiden,« wandte er sich dann an die Arbeiter, »hört für heute auf; werden wir doch nicht fertig in einem Tag oder in einer Woche. Macht mir den Laden zu vorn und zieht mir den Schlüssel hübsch ab – und das Hofthor auch; wir werden gleich hinaufgehen, Herr Baron, kann Ihnen dann auch Ihre Quittung geben über Alles. Vor einer Stunde war der Mann hier, hat mir das ganze Geld gebracht, Capital und Zinsen, bei Heller und Pfennig. Ein nobler Herr, ein sehr nobler Herr, der Herr Staatsanwalt Witte – hätte aber wahrhaftig eine solche Eile nicht gehabt. Ich konnte warten, und würde auch mit Geduld gewartet haben – noch so lang.«

»Ihr wißt Alles, was vorgegangen ist, Salomon?«

»Soll ich nicht wissen, was die ganze Stadt weiß,« sagte der alte Mann; »die Kinder sprechen davon auf der Straße und die Mädchen am Brunnen. Es war ein trauriger Fall für die Frau Mutter. Soll ich leben – ich begreif's nicht – sind jetzt auf einmal in die Verwandtschaft gekommen – Ihr Herr Onkel hat mir den Hieb über den Kopf gegeben....«

»Lassen wir das, Salomon,« sagte Bruno mit einem schweren Seufzer, denn es war ihm furchtbar, das Entsetzliche gerade in diesem Augenblick noch einmal durchzuleben. »Ich freue mich, daß das Geld von dem jetzigen Erben so gewissenhaft ausgezahlt ist – ich selber wäre es nicht im Stand gewesen.«

»Ein Kunststück,« sagte der alte Mann, »wenn man eine halbe Million so mit Einem Schlag verliert – vor dem Mund weg.«

»Das also drückt mich wenigstens nicht mehr,« fuhr Bruno fort, »und nur noch Eins bleibt mir zu thun übrig, Salomon – Euch erstlich für alles Liebe und Gute zu danken, was Ihr mir gethan, und dann – Abschied zu nehmen von Euch und Eurer Familie – von Rebekka.«

»Abschied – wie haißt?« sagte der alte Mann, der aber in vortrefflicher Stimmung zu sein schien. »Sie wollen doch nicht fort von Alburg, Herr Baron?«

»Und weshalb nennt Ihr mich noch immer Baron?«

»Gott der Gerechte, wenn ich Ihnen jetzt auf einmal sagte, ich heiße nicht Salomon, ich heiße Isaak – würden Sie nicht immer zu mir sagen: Wie geht's, Salomon? und nicht: Wie geht's, Isaak? – Es liegt einmal auf der Zunge, und wenn man spricht, fährt's heraus.«