»Gut,« nickte Salomon vergnügt, »werd' ich sprechen, und nun, Rebekkche, wirst Du zuhören, was Dir der Herr Baron – wollt' ich sagen: der Herr Baumann – mitzutheilen hat. Als er aber ist gekommen, um Abschied zu nehmen, weil er nach Amerika will, muß er gerathen sein in ein falsches Haus, denn da wir auch nach Amerika gehen und die Reise also zusammen machen, braucht man nicht zu nehmen Abschied – es ist kein Verstand darin....«

»Aber, Salomon....«

»Außerdem will er zurückgeben dem Rebekkche ihr Wort, was sie ihm hat gegeben als Baron – wie haißt? Hat sie ihn dabei genannt Baron oder Bruno, bei seinem Vornamen? Nun, den Bruno hat er doch behalten, muß er nicht auch behalten das Wort?«

»Aber, Salomon....«

»Und als er ist nicht mehr Erbe von eine halbe Million – mit Abzug der Kosten –, ist er auch nicht mehr Baron, und die Sache wird sich heben. Dem Baron hatte ich mein Jawort gegeben – ja, aber mit wie schwerem Herzen – der Himmel weiß es, denn ich sah nichts als Unglück darin für mein Kind – Demüthigung und Thränen und Zank in der Familie, wo soll sein einig und Ein Herz und Eine Seele! Jetzt hat er abgeschüttelt den Baron, und nun ist er der einfache Bruno Baumann, der Sohn von'm braven Mann, dem Schlosser Baumann, und als das Rebekkche an ihm hängt mit ihrem ganzen Herzen und sich zu Tode härmen würde, wenn sie ihn sollt' verlieren, und als er bewiesen hat, daß er ist ein braver Mann wie sein Vater, der alte Schlosser Baumann, und kein Baron – Soll ich leben, mir geht der Odem aus – so wollen wir machen kurzen Proceß und sagen: der Gott unserer Väter segne den Bund Eurer Herzen – seid glücklich und macht uns alte Leute auch glücklich in Eurem Glück!«

»Aber, Salomon,« rief Bruno, betäubt von der auf ihn einstürmenden Seligkeit, »ich bin arm, blutarm, und nicht im Stande, eine Frau zu ernähren!«

»Wie haißt?« sagte Salomon. »Sie sind jung und geschickt und ein Meister auf dem Instrument – Amerika ist ein freies Land – glauben Sie, daß sich in einem freien Land ein junger, geschickter Mensch nicht durchbringen kann mit seiner Frau? Und sollt' es wo fehlen, hat der alte Salomon nicht Geld genug und nur ein einziges Kind, was er will glücklich machen, wenn's in seinen Kräften steht?«

»Und Ihr wollt Alle fort?«

»Alle,« sagte der alte Mann jetzt plötzlich ernst; »es ist kein Boden hier für uns, und seit dem letzten Raubanfall hab' ich das Vertrauen zu der Stadt verloren, in der ich heimisch war. Ich kann den Laden nicht mehr betreten ohne Furcht und Grauen, ich sehe immer den kleinen Mann hereinkommen, und seine häßlichen, stechenden Augen. Wir gehen mit dem nächsten Schiff. Viel von meinen Sachen hab' ich schon hier verkauft – Manches billig, Manches theuer – viel nehm' ich mit. Als es ist ein neues Land, brauchen sie Antiquitäten; der alte Salomon kommt nicht zu kurz. Sie aber, Herr Baron – wollt' ich sagen: Herr Baumann –, Sie meinen jetzt, Sie wollen dem Rebekkche ihr Wort zurückgeben, und ich soll mein Kind mit nach Amerika nehmen und soll sehen, wie es sich abhärmt und grämt und weint, blos weil Sie nicht mehr sind Baron – hat sie das um Sie verdient?«

»Rebekka,« rief Bruno in jauchzender Seligkeit, »ist es wahr, Mädchen? Du stößt den armen, schlichten Sohn eines Handwerkers nicht zurück? Du willst Dein Geschick an das seine ketten?«