»Dein bin ich, Bruno!« rief das schöne Mädchen, in Glück und Liebe erglühend und ihn fest umschlingend. »Dein für immer, Dein in Freud' und Leid – bis in den Tod!«
»Rebekka – meine Rebekka!«
»Gott der Gerechte, was ein Abschied!« sagte Salomon.
11.
Eine Scheidung.
Drei Tage waren nach den oben beschriebenen Vorgängen verflossen, als der Schlossermeister Baumann eines Morgens zu dem Staatsanwalt Witte kam und ihn dringend bat, die Scheidung mit seiner Frau zu betreiben, da er willens sei, Alburg zu verlassen, und nicht mit dem Gefühl fortgehen möge, noch eine Frau da zu haben. Er hätte mit seiner Frau, wie er sagte, gesprochen, und sie füge sich in Alles; nur an Einem Punkt hänge es, an dem jüngsten Kinde, das noch nicht ganz sieben Jahre alt sei und das die Mutter nicht hergeben wolle. Mit dem siebenten Jahre, das wisse er wohl, gehöre es sein; aber er könne und wolle nicht so lange warten und bäte deshalb den Staatsanwalt, das zu vermitteln.
»Sie sind ein alter Starrkopf, Baumann,« sagte Witte ernst. »Hat die arme Frau nicht schon genug ertragen und ausgestanden und wollten Sie Ihr auch noch den letzten Schmerz hinzufügen?«
»Ich kann das Kind nicht zurücklassen, Herr Staatsanwalt,« sagte der Schlossermeister, »es ist meine ganze Seele; und die Mutter – es wird nicht so schlimm sein, als sie jetzt es denkt. Hat sie sich von dem ersten Kinde, an dem jede Mutter mit ihrem ganzen, vollen Herzen hängt und lieber den letzten Blutstropfen hergäbe, ehe sie es missen möchte, trennen können, so wird es ihr bei dem letzten auch nicht so schwer werden. Sie soll auch keine Noth leiden; ich lasse ihr das Haus und Alles, was ich an Vermögen habe, nur die Reisekosten abgerechnet. Ich will mit meinen Jungen nach Amerika; der Bruno geht auch mit und heirathet des alten Salomon Tochter. Mir ist's auch recht, denn ich kenne den alten Salomon als eine treue, ehrliche Seele, die mehr christliches Gefühl für ihre Mitmenschen hat, als mancher Christ. Von dem, was ihr bleibt, kann sie also recht gut leben, wenn sie das Kind nicht mit zu versorgen hat, und deshalb wär' es nur vernünftig, daß sie sich fügte.«
»Also sie weigert sich, das Kind herauszugeben?«
»Sie weigert sich gerade nicht,« sagte der Mann finster, »aber sie weint und jammert den ganzen Tag, daß ich ihr doch nur das Eine lassen möchte, wenn ich ihr alles Andere wegnehme, und zwingen möcht' ich sie gerade nicht, kann aber auch das Kind nicht missen.«
»Und was soll ich dabei thun?«