»Für heute nichts; und vergessen Sie nicht, wieder die quittirte Rechnung beizulegen, wenn Sie die Stiefel schicken. Sie wissen, daß ich keine Schulden haben will.«

»Sollen bedient werden, Herr Geheimer Staatsanwalt, sollen pünktlich bedient werden. Habe indessen die Ehre, mich gehorsamst zu empfehlen!« Und damit drückte er sich wieder mit einem tiefen Bückling zur Thür hinaus.

»Das ist ein zu komischer Kauz,« lachte Ottilie, als er die Thür geschlossen hatte; »und er braucht immer so drollige Ausdrücke. Wenn man nur Alles behalten könnte, was er sagt.«

»Ein ganz durchtriebener Halunke ist er, darauf möchte ich meinen Hals verwetten,« sagte der Vater; »und faustdick hat er es dabei hinter den Ohren.«

»Ich würde ihn eher für dumm, als durchtrieben halten,« meinte Frau Witte.

»Den verkaufe nur nicht für dumm,« nickte ihr Mann; »umsonst liegt der nicht jeden Sonntag in der Kirche.«

»Aber daraus willst Du ihm doch keinen Vorwurf machen? Es wäre besser für Dich, wenn Du häufiger gingest.«

»Ich kann die Heuchler nicht leiden,« sagte der Staatsanwalt, »und daß sich der Schuhmacher nur fromm stellt, davon bin ich fest überzeugt.«

»Und was sollte er dabei haben?«

»Wer weiß es. Seine Frau betreibt hier ein sehr einträgliches Geschäft mit Kartenlegen, Krankheiten besprechen und anderem Unsinn – wer kann sagen, wie er sie dabei unterstützt? Die Polizei hat dem würdigen Paare nur noch nicht beikommen können; aber aus den Augen werden sie nicht gelassen.«