Rath Frühbach schien hier übrigens ein alter Stammgast zu sein, wenigstens wurde er so von dem Wirth empfangen, der mit dem freundlichsten Gesicht von der Welt, sein Käppchen in der Hand, unter der Thür stand und Hausknecht, Kellner und Stubenmädchen augenblicklich herbeirief, um den Herren beim Aussteigen zu helfen und Mäntel oder sonstiges Reisegepäck in das Haus zu tragen.

»Nun, Herr Müller, wie gehen die Zeiten?« sagte Rath Frühbach, als er glücklich ausgestiegen war und dem Major, der mit seinem Bein nicht so recht fort konnte, ebenfalls vom Wagen herunter geholfen hatte. »Haben doch 'was Ordentliches zu essen heute?« – Er schien auf eine besondere Beantwortung der ersten Frage zu verzichten.

»Nun, danke bestens, Herr Rath,« sagte der gewissenhafte Gastgeber, »es geht ja immer so lala; meine Alte will nicht so recht fort – hat immer mit ihrem Magen zu thun.«

»Daran ist der verdammte Aepfelwein schuld!« sagte der Major, eben nicht in bester Laune.

»Ein guter Freund von mir,« stellte ihn der Rath vor, »Herr Major von Halsen.«

»Sehr angenehm, Herr Major – sollen bestens bedient werden. Wann befehlen die Herren zu speisen?«

»Was haben Sie denn? Das versprochene Wildpret fehlt doch nicht etwa?«

»Nein, gewiß nicht, Herr Rath; habe es Ihnen ja besonders hineinsagen lassen. Werde Ihnen doch keine Unwahrheit berichten. Aber die Speisekarte liegt drinnen auf dem Tisch.«

Der Rath nickte nur, denn eine weitere Unterhaltung war für den Augenblick, wo Wichtigeres ihnen bevorstand, unnöthig geworden, und die beiden Herren begaben sich in das untere Local, wo in einer der Ecken ein Tisch schon gedeckt stand; denn wenn auch Vollmers an keiner Poststraße lag, kamen doch eine Menge von Fuhrleuten vorüber und kehrten da ein, und Niemand lebt besser unterwegs, als ein Frachtfuhrmann.

Der Major hätte sich nun gern selber nach der verwittweten Müller im Ort erkundigt; aber bei ihm, als vollkommen Fremden, würde das gleich von vorn herein zu sehr aufgefallen sein, und er bat deshalb den Rath, das für ihn zu besorgen, und dazu war Frühbach auch der rechte Mann. Er fragte überhaupt ununterbrochen, und in seiner cordialen Weise (es hätte eigentlich auch einen andern Namen dafür gegeben, denn er behandelte die Leute gewöhnlich anscheinend freundlich, aber immer von oben herunter) fand er mit leichter Mühe einen Anknüpfungspunkt.