»Hören Sie einmal, Herr Müller,« sagte Frühbach, als der Wirth mit der Serviette unter dem Arm hinter ihnen am Tisch stand, »ist denn der Müller, der hier in Vollmers Butter und Käse verkauft, mit Ihnen verwandt? Er schreibt sich wenigstens ebenso.«
»Bitte um Verzeihung, Herr Rath,« sagte der Wirth mit Würde, »jener Müller stammt gar nicht aus unserer Gegend; er ist aus dem Mecklenburgischen hieher eingewandert.«
»Ih, sehen Sie einmal an,« rief Frühbach, »da sind wir ja Landsleute. Waren Sie schon einmal in Mecklenburg, Herr Müller?«
»Nein, bedaure sehr,« sagte der Wirth.
»Na, da haben Sie gar nichts zu bedauern,« meinte trocken der Major, »wenn Ihnen weiter kein Unglück begegnet ist.«
»Hm!« sagte der Rath aber, der, ganz aus seiner sonstigen Sphäre, wo er nur im Allgemeinen wie ein Fisch im Ocean herumschwamm, heute einmal auf ein besonderes Ziel lossteuerte. »Ich dächte aber doch, Sie hätten mir einmal von Verwandten von Ihnen erzählt, die hier noch im Orte leben.«
»Wüßte wirklich nicht, wer das sein sollte,« sagte Herr Müller achselzuckend. »Es sind allerdings noch Zwei meines Namens hier im Ort: der Bäcker heißt Müller und dann lebt hier eine verwittwete Müller, die lange in England war; sie wollte einmal nach Amerika, aber das Schiff wollte nicht, wie sie hier sagen – doch ich bin mit allen Beiden nicht im entferntesten verwandt. Lieber Gott, der Name kommt ja so häufig vor!«
»Ja, da haben Sie recht,« nickte der Rath. »Hören Sie, Herr Müller, der Hirschbraten ist wirklich delicat; ich habe lange nichts Zarteres gegessen.«
»Freut mich, wenn er Ihnen schmeckt, Herr Rath.«
»Und noch eine Flasche Aepfelwein, bitte. Aber Sie trinken ja gar nicht, Major.«