»Danke, habe mir ein Glas Bier bestellt und verzichte auf den Aepfelwein – kann das Zeug nicht vertragen.«

»Es ist die reine Muttermilch,« sagte der Rath; »aber was ich gleich fragen wollte: also die Frau war so lange in England?«

»Die Müller? Ja wohl – sie spricht auch das Engländische, und wenn sie sich mit ihrer Tochter manchmal unterhält, kann sie kein Mensch verstehen. Das ist eine verflixte Sprache, und so geschwind geht's – aber man muß es auch können.«

»Ach ja, ich dächte, davon hätte ich gehört,« fuhr der Rath, heftig dabei kauend, fort. »Ist die Tochter nicht an einen gewissen Becker, einen Telegraphen-Beamten, verheirathet?«

»Nein, Herr Rath, doch nicht; an einen sogenannten Geodäten, einen Herrn Melker, der jetzt in Rübhausen stationirt ist, um dort die Zusammenlegung der Felder zu bewerkstelligen.«

»Ach ja, das ist recht, Melker hieß er – wie komm' ich denn nur auf Becker? Aber es klingt ähnlich. Da war einmal in Schwerin ein Mann, der hieß Beyer, aber mit einem e und y geschrieben; Gott, ich habe ihn noch so genau gekannt – ich brachte ihn später als Schreiber beim damaligen Regierungspräsidenten Utrecht, einem intimen Freund von mir, unter. Aber da wohnte noch ein anderer Mann, ein Schuhmacher, Namens Bayer, mit a und y, in der Stadt, und die Beiden wurden doch fortwährend mit einander verwechselt. So schickte ich einmal mein Mädchen zu dem Bayer mit einem a, der gerade für uns arbeitete, um ihn zu mir zu bestellen, weil er mir das Maß zu einem Paar neuer Stiefel nehmen sollte; ich litt damals sehr an Hühneraugen, und die alten Stiefel drückten mich. Aber das Mädchen ging wahrhaftig zum Regierungspräsidenten hinauf und bestellte mir den Schreiber, weil der schon ein paarmal bei mir im Hause gewesen war, und nachher mußte sie denn richtig noch einmal zu dem wirklichen Bayer mit einem a gehen. Ueberhaupt, man glaubt gar nicht, was so ein einziger Buchstabe im Namen für einen Unterschied macht. Da war in Schwerin ein Schneider...«

»Ich dächte, einen Geodät Melker hätte ich auch einmal gekannt,« fiel hier der Major ein, denn der Rath ging wieder durch. »Kommt er manchmal hier herüber?«

»Ach, habe ihn erst heute Morgen gesehen,« sagte der Wirth; »ich glaube, er kam herüber, um seine Frau abzuholen, die hier ein paar Tage bei ihrer Mutter zum Besuch war.«

»In der That?« sagte der Rath, dadurch wieder zur Gegenwart zurückgerufen, da er sonst nur eigentlich in der Vergangenheit lebte. »Da könnten wir ja einmal nach dem Essen hinübergehen, Major, denn einen Verdauungs-Spaziergang müssen wir doch machen. Wohnt sie weit von hier?«

»Nein, gleich dort hinter dem Garten, Herr Rath. Wenn Sie um die Ecke vom Zaun herumbiegen, sehen Sie das kleine hübsche Häuschen gleich vor sich. Die Müller hat eigentlich das hübscheste Häuschen im ganzen Ort.«