»Fräulein Witte,« erwiederte der junge Mann, der in seiner Arbeitstracht an der Treppe stand, »ich habe mir erlaubt, Ihnen das Lorgnon selber hinüber zu tragen, da ich glaubte, daß Sie es vielleicht brauchen würden. Ich hoffe, es soll jetzt besser halten, als früher; ich habe es selber reparirt. Den Thermometer werde ich Ihnen auch bald bringen.«
»Ich danke Ihnen sehr, Herr Baumann,« sagte Ottilie und wurde noch verlegener, denn der junge Mann sah sie mit einem so eigenthümlichen Blick an. »Und was – was habe ich Ihnen dafür zu zahlen?«
Wie Purpur zuckte es über das offene Gesicht des jungen Handwerkers und er zögerte mit der Antwort.
»Ich hoffe,« sagte er endlich, »Sie werden die Kleinigkeit nicht erwähnen; es war eine Feierabends-Arbeit.«
»Aber das kann ich nicht annehmen,« stotterte Ottilie; »bitte, sagen Sie mir, was ich schuldig bin.«
»Nun denn, wenn Sie es nicht anders wollen – einen Groschen.«
»Einen Groschen? Die ganze Schale war zerbrochen!«
»Mein Fräulein, ich muß selber am besten wissen, was meine Arbeit werth ist. Ich habe nicht mehr verdient und kann also auch nicht mehr dafür nehmen.«
»Aber ich kann doch nicht wagen, Ihnen einen Groschen...«
»Sie wollten mich ja absolut bezahlen, Fräulein; ich bitte also deshalb um einen Groschen.«