»Ich weiß es nicht, Papa; vielleicht fünf- oder sechsundzwanzig Jahre. Er trägt einen vollen Bart, da kann man es nie so genau sehen.«

»Hm,« sagte der Vater und nickte still und nachdenkend vor sich hin, »das ist doch ein recht ordentlicher Mensch und der alte Baumann ein braver und durchaus rechtlicher Mann.«

»Ich habe wenigstens noch nie das Gegentheil gehört,« sagte Frau Witte; »aber er ist entsetzlich roh. Doch paßt das wohl zu seinem Geschäft, und so weit wir mit den Leuten in Berührung kommen, läßt man es sich schon gefallen. Höchstens daß sein Sohn einmal eine Arbeit herüberbringt.«

»Ich denke, unser Schlosser ist Weller?«

»Nein, vom Mechanikus drüben.«

»Und was habt Ihr für Arbeiten beim Mechanikus?«

»Du lieber Himmel, Papa,« sagte Ottilie ernsthaft, »in einer Wirthschaft fällt immer Allerlei vor. Bald ist einmal eine Lorgnette zerbrochen oder ein Opernglas muß nachgesehen werden; neulich war erst das Thermometer schadhaft geworden. Und der junge Baumann ist darin wirklich außerordentlich aufmerksam und so gefällig; man kann es sich gar nicht bequemer wünschen.«

»So?« sagte der Vater, dem jedenfalls andere Dinge im Kopf herumgingen. »Aber ich habe zu thun, und wenn ich Euch rathen soll, so macht Ihr auch Eure Toilette; denn es ist spät geworden und könnten doch einige Ballbesuche kommen, mit denen ich wenigstens verschont bleiben möchte. Vergiß nur nicht, nach dem Schlosser zu schicken.«

Der Vater ging in sein Zimmer hinüber, und die Mutter hatte sich noch behaglich in die Sophaecke gedrückt, um vorher in aller Ruhe das Morgenblatt zu lesen. Ottilie schickte, dem Auftrage des Vaters folgend, das Mädchen fort und schritt dann eben über den Vorplatz hinüber ihrem eigenen Zimmer zu, als es klingelte. Sie öffnete selber, denn ein Besuch konnte es noch nicht sein.

»Ah, Herr Baumann,« sagte sie, halb erröthend, als sie den Außenstehenden erkannte und wußte, daß sie eben erst über ihn gesprochen.