»Lassen Sie mich doch nur ausreden – knüpfe ich also ein Gespräch mit ihr an und erfahre dabei, daß sie, bald nach der Vermählung des Freiherrn von Wendelsheim, als Kammermädchen in Diensten der gnädigen Frau gestanden und drei Jahre bei ihr gewesen sei, also auch in der Zeit ihrer ersten Niederkunft....«
»Hm, und weiter?«
»Nachher wurde sie schlecht behandelt – sie behauptet, die gnädige Frau wäre eifersüchtig auf sie gewesen und habe sie plötzlich fortgeschickt. Es muß jedenfalls etwas vorgefallen sein, denn sie spricht nur in den bittersten Ausdrücken von allen Beiden und behauptet dabei, in jener Nacht sei nicht Alles mit rechten Dingen zugegangen.«
»Aber ich will gar nicht wissen, was sie behauptet. Welche Beweise bringt sie dafür? Das Geschwätz haben wir schon seit vierundzwanzig Jahren gehabt, und es konnte nachher doch Niemand auftreten und sagen: ich weiß etwas; es hieß nur immer: ich vermuthe.«
»Ich fragte natürlich weiter,« fuhr der Major fort, »und sie erzählte, daß an dem nämlichen Abend mit der Hebamme Heßberger ein Mann, der etwas unter dem Arm getragen habe, nicht vorn herein, sondern durch den Park gekommen sei und sich dort aufgehalten habe; ja, der Gärtner wollte sogar gehört haben, daß es ein kleines Kind gewesen sei, denn es hätte geschrieen.«
»Und kann er das beschwören?« fragte Witte. »Und wenn er es selbst beschwören könnte, was hälfe es? Aber weiter! Was sonst noch?«
»Da lief plötzlich der Ruf durch's Schloß, die gnädige Frau habe einen Knaben bekommen; der Freiherr kam selber heraus auf die Treppe und schrie es den Leuten jubelnd zu, und dann wurde Hurrah geschrieen, und Wendelsheim vertheilte Wein unter die Leute...«
»Und ist das Alles?«
»Aber die Heßberger soll selber in der Zeit auf der dunkeln Treppe gewesen sein, so behauptet die Frau wenigstens.«
»Ich will Ihnen etwas sagen, Major,« rief der Staatsanwalt, »ich werde aus Ihrer ganzen Erzählung nicht klug, denn Sie mengen alte Geschichten und neu Erfahrenes bunt durch einander! Wir können die Sache deshalb vereinfachen. Wo ist die Person?«