»Was Du davon verstehst, Kind!« sagte die Mutter ausweichend. »Freilich sind die Männer selbst daran schuld, denn sie sollten vernünftiger sein, als solchen jungen Dingern ihre faden Schmeicheleien vorzuschwatzen, wie es der Herr Referendarius Blaufuß etwa macht; Referendarius – er kann ein Greis sein, ehe er Assessor wird. Das ist die erste Giftsaat, und nachher verlangen sie, daß ein junges Geschöpf, das dumm und unerfahren genug war, um all' den Unsinn zu glauben, auch gleich nach der Hochzeit all' die schönen Sachen vergessen und eine tüchtige, nüchterne Hausfrau werden soll. Da war Dein Vater anders.«
»Wie war denn der, Mama?« fragte Ottilie schelmisch.
»Ja, das möchte ich auch wissen,« sagte der Staatsanwalt, welcher in diesem Augenblick in der Thür erschien und die letzten Worte gehört haben mußte. »Von was sprecht Ihr denn eigentlich?«
»Guten Morgen, Papa,« rief Ottilie, ihm entgegenspringend. »Wir sprachen gerade von nichts Besonderem, ich und die Mama – nur vom Heirathen.«
»Vom Heirathen?« rief der Vater erstaunt aus, indem er seiner Tochter die Backe zum Kuß hinhielt – »Blödsinn! Du solltest doch gescheidter sein, Therese, als solche Morgengespräche mit dem Kind zu führen. Sie kann noch nicht einmal eine Suppe kochen.«
»Hör' einmal, Dietrich,« sagte die Mutter gereizt, »ich denke, ich weiß selber gut genug, über was ich mit dem Kind zu sprechen habe, und brauche Deine Ermahnungen und Rathschläge nicht. Ich setzte ihr eben den Ernst der Angelegenheit auseinander, und dagegen wirst Du hoffentlich nichts einzuwenden haben.«
»Ja, Papa,« lächelte Ottilie, »und dann wurde der Vorschlag gemacht, daß sich ein junges Mädchen erst mit achtundzwanzig Jahren verheirathen dürfe, und auch darüber abgestimmt; aber der Antrag blieb unentschieden, denn die Stimmen waren getheilt.«
»Da hörst Du,« sagte der Staatsanwalt, indem er über die Brille weg nach seiner Frau hinüber sah, »wie die Mamsell den Ernst der Angelegenheit aufgefaßt hat – à propos, ist noch eine Tasse Kaffee für mich da?«
»Gewiß, Papa, die Menge.«
»Schön – na und wie hast Du dich gestern amüsirt, Tilchen? Wie war der Ball?«