»Ja,« nickte die Frau; »das hab' ich ja schon dem Herrn Major erzählt.«

»Schön. Sie waren also auch dort, wie der erste Knabe geboren wurde, wie?«

»War ich auch. Aber weshalb?«

»Liebe Frau,« sagte der Staatsanwalt ruhig, »es handelt sich hier nur darum, von Ihnen die Bestätigung oder Nichtbestätigung eines alt gefaßten Verdachts zu bekommen. Sie selber haben natürlich gar nichts damit zu thun, und es ist nur die Frage, ob Sie vielleicht irgend ein Interesse dabei hätten, etwas zu verschweigen, was mit jener Sache in Verbindung steht.«

»Ich,« sagte die Frau halb beleidigt, »was sollte ich für ein Interesse dabei haben? Ich bin mir nichts Schlechtes bewußt und kann jedem Menschen frei und offen in die Augen sehen.«

»Wollen Sie mir also das genau erzählen, was Sie heute Morgen dem Herrn Major erzählt haben?«

Die Frau zögerte. »Was geht's mich an?« sagte sie endlich. »Was Einen nicht juckt, soll man nicht kratzen. Ich will mit der ganzen Gesellschaft nichts weiter zu thun haben.«

»Das sollen Sie auch nicht, liebe Frau,« sagte der Staatsanwalt ruhig; »aber wissen Sie, wer ein geschehenes Unrecht verheimlicht, nimmt indirect selber Theil daran, er mag sonst noch so unschuldig sein.«

»Aber ich weiß von keinem Unrecht,« sagte die Frau; »ich habe nur erzählt, was ich an dem Abend gesehen, und – hätte auch vielleicht mein Maul besser gehalten. Ueber die Geschichte ist Gras gewachsen, und Todte können doch nicht wieder lebendig werden.«

»Todte?« fragte der Staatsanwalt, indem er sie scharf dabei ansah.