»Danke der Nachfrage, Herr Baron – aber wollen Sie nicht ein wenig Platz nehmen bei einem alten Manne – der liebe Gott sei gepriesen, recht gut geht's ihr! Sie blüht wie ein Röschen im Moos, und der Herr hat mich Freude erleben lassen an dem Kind; nur in der letzten Zeit ist sie leidend gewesen. Hat ihr nichts gefehlt im Körper, ist sie blos gewesen schwermüthig und betrübt, wie junge Mädchen haben ja manchmal die Laune. Es ist ein gutes, liebes Kind, aber mit viel Gefühl, zu viel Gefühl für Unsereinen – möge sie mir noch lange erhalten bleiben.«
»Sie erlauben mir doch vielleicht, daß ich sie nachher begrüßen darf?« sagte Wendelsheim, immer noch mit einer gewissen Empfindung, das, was ihn eigentlich hieher geführt, so lange als möglich hinauszuschieben.
Der alte Mann zögerte einen Moment mit der Antwort; endlich sagte er, still vor sich hin mit dem Kopf nickend: »Sie hält viel auf den Herrn Baron und hat oft gesagt, er hätte versprochen, einmal wieder zu kommen und mit ihr zu musiciren. Wie haißt? hab' ich gesagt – der Herr Baron hat zu thun, wird er nicht haben so viel Zeit, sich zu Dir herzusetzen und Musik zu machen.«
»Es ist wahr,« sagte der junge Mann, »ich hatte ihr versprochen, bald wieder zu kommen und ihr die Schubert'schen Lieder zu accompagniren; ich hatte aber wirklich so viel zu thun...«
»Nu, wer hat nicht zu thun?« sagte der alte Mann. »Ist ein Kunststück. Sie haben zu thun in Ihrer, wir in unserer Art; jeder Mensch hat zu thun und kann nicht immer auf Zeitvertreib denken.«
»Ich hoffe aber, jetzt öfter kommen zu können.«
»Versprechen Sie nichts, Herr Baron, besonders der Rebekka nichts, denn man weiß nicht immer, ob man's halten kann, und das Warten macht nachher müde. Es giebt kaum was Schlimmeres auf der Welt, als warten.«
»Ja,« sagte der Baron etwas zerstreut; »aber – was ich gleich sagen wollte – ich bin noch so weit in Ihrer Schuld, lieber Salomon...«
»Da giebt's ein Mittel, das zu ändern,« lächelte der Alte.
»Ein Mittel?«