Er vermochte nicht weiter zu reden, Thränen erstickten seine Stimme; aber er hatte auch das Uebermenschliche geleistet, und die Jungfrau an sich ziehend, preßte er einen heftigen Kuß auf ihre Lippen. In demselben Augenblick fühlte er sich aber auch von Rebekka's Armen in wilder Leidenschaft umschlungen.

»Bruno,« flüsterte sie, indem sie ihn fest an sich preßte, »wenn Du mich verläßt, sterbe ich.«

»Gott der Gerechte!« rief die Mutter, die ebenfalls aufgesprungen war und vor Verwunderung die Hände zusammenschlug.

»Herr Lieutenant,« sagte da die kalte, ruhige Stimme Salomon's, »es wird Zeit, daß Sie aufbrechen; es ist halb sechs Uhr vorüber, und wir haben noch unten ein kleines Geschäft mit einander abzumachen.«

»Salomon,« hauchte der junge Mann, sich verstört, wie aus einem Traum emporrichtend – »zürnen Sie mir nicht....«

»Ich habe gehört,« fuhr der alte Mann ruhig, aber doch mit bewegter Stimme fort, »was die Rebekka gesagt hat, und habe gehört, was Sie gesagt haben. Ich hatte anfangs geglaubt, Sie wollten über 'was Anderes mit dem Mädel sprechen. Es hätt' Ihnen nichts geholfen, Herr Baron; aber – nehmen Sie mir den Verdacht nicht übel – Sie sind ein Ehrenmann, und ich hoffe, Sie werden nicht abreisen und das gegebene Ehrenwort derweil auf mich übertragen.«

»Salomon!«

»Bitte, kommen Sie herunter, es liegt Alles bereit, und Dinte und Feder steht daneben; wir brauchen keine zwei Minuten damit zu versäumen. Sie wissen doch um sechs Uhr.«

»Und er kehrt zurück, Vater?«

»Wird er zurückkehren, wenn er sein Wort hält, und ich glaube, er thut's – meinetwegen – und vielleicht auch Deinetwegen.«