»Und haben Sie das Kind einmal gesehen, Freund? Seien Sie mir nicht böse über mein vieles Fragen, aber die Sache ist in der That von der höchsten Wichtigkeit.«
»Als Kind, ja,« nickte der alte Mann. »Sie wohnte damals, oder ihre Mutter vielmehr, dicht neben meinem Bruder in Vollmers, und so lange der noch lebte, kam ich manchmal hin. Nun ist er aber schon die langen Jahre todt.«
»Und wie sah es aus?«
»Das Kind? O, es war ein allerliebstes Ding,« erwiederte der alte Mann, »zart wie Wachs, und die Glieder so fein und zierlich! Ich weiß auch, daß sie damals vielerlei redeten; aber, wie das so immer geht, die Leute wurden's endlich müde, und wie die Mutter mit der Kleinen zu Schiffe ging, sprach kein Mensch mehr davon.«
»Und wie heißt das Kind?«
»Ja, wie sie jetzt heißt, weiß ich nicht einmal – mit Vornamen Martha, und ihre Mutter war eine verehelichte Müller. Jetzt hat die Tochter aber einen Feldmesser geheirathet, und wenn ich den Namen auch schon gehört habe, kann ich mich doch nicht mehr darauf besinnen. Uebrigens erfährt man das leicht in Vollmers.«
»Und ist sie jetzt dort?«
»Kann ich auch nicht sagen; sie soll manchmal zum Besuch hinkommen. Sie wohnt mit ihrem Mann eine Stunde weiter, in Rübhausen; aber die Mutter treffen Sie jedenfalls.«
»Vollmers liegt etwa anderthalb Stunde entfernt....«
»Knapp; es giebt noch einen näheren Weg über den Wald.«