Der Rath wohnte parterre und hatte ein ganz bescheidenes Schild an seiner Thür, auf dem nur der Name Frühbach stand. Die Thür war auch nicht verschlossen, und der Major gerieth in einen langen schmalen Gang mit einer Unzahl Thüren, aus welchen er nicht gleich die rechte herausfinden konnte. An der rechten Seite war aber eine geöffnet – wie er gleich darauf bemerkte, die Küche, und dort handirte ein weibliches Wesen in einem sehr schmutzigen Ueberrock von verschossener Barège, aber ohne Schürze, das er natürlich für die Köchin oder das Hausmädchen hielt.
»Können Sie mir wohl sagen, liebes Kind,« fragte er dieses, »in welchem Zimmer ich den Herrn Rath finde.«
»Gehen Sie nur gerade aus,« lautete die Antwort, »mein Mann ist in der letzten Stube links.«
»Bitte,« sagte der Major erschreckt, einen solchen Verstoß gegen die Höflichkeit und die Frau vom Hause zugleich begangen zu haben. »Entschuldigen Sie, es ist hier so dunkel im Vorsaal....« Und damit wandte er sich, immer still mit dem Kopf schüttelnd, der bezeichneten Thür zu. Er hatte aber die letzten Worte der Frau gar nicht mehr gehört, ging geradeaus und öffnete die dort befindliche Thür, schloß sie aber eben so rasch wieder, denn er war in das Heiligthum eines Schlafzimmers im Urzustand gerathen.
»Hier herein, bester Freund! Hier herein!« rief der Rath und stieß seine eigene Thür auf. »Sie wären beinah' in das falsche Zimmer gefahren, heh? Treten Sie nur näher, ich bin den Augenblick fertig – na, wie geht's? Das ist gescheidt, daß Sie sich auch einmal bei mir sehen lassen!«
»Es thut mir leid, daß ich Sie störe, bester Freund,« sagte der Major, der den Rath noch in schon seit einiger Zeit getragenen Unterhosen fand, während seine übrigen Kleidungsstücke im Zimmer umhergestreut lagen.
»Mich stören? Nein, sicher nicht!« lachte der freundliche alte Herr. »Sie sehen ja, daß ich mich gar nicht stören lasse – aber bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen?«
»Danke Ihnen, habe die ganze Zeit gesessen,« sagte der Major, der in der Stickluft des Zimmers, die so unangenehm nach Schweiß roch, kaum zu athmen vermochte. »Wenn Sie erlauben, gehe ich einen Augenblick an das Fenster, indessen ziehen Sie sich fertig an. Famoser Garten, das!«
»Ja, recht hübsch,« sagte der Rath, während der Major das Fenster öffnete.
»Aber wer wohnt hier über Ihnen?«