»Ueber mir? Ist augenblicklich gar nicht vermiethet – zwei Treppen hoch wohnt ein Beamter.«
»Hören Sie, lieber Rath,« sagte der Major – denn gerade vor dem Fenster hingen die beiden wollenen Decken – »dem würde ich dann aber nicht erlauben, mir die beiden Schmierlappen da gerade vor die Nase zu hängen – Alles, was recht ist, aber....«
»Die beiden Decken?« sagte Frühbach, zum Fenster hinaussehend. »Das sind ja meine eigenen – in denen schlafe ich jede Nacht.«
»In den Decken?« sagte der Major, wirklich starr vor Schrecken.
»Ja, sehen Sie, lieber Freund,« fuhr der Rath fort, »ich muß jede Nacht tüchtig schwitzen – wenn ich nicht schwitze, leidet meine Verdauung, und da ich genöthigt bin, mit meiner Gesundheit sehr vorsichtig zu sein....«
»Ob Sie noch frühstücken wollen, ehe Sie ausgehen, Herr Rath?« sagte in diesem Augenblick ein ziemlich sauber gekleidetes Dienstmädchen, das, trotz der etwas derangirten Toilette des Hausherrn den Kopf in's Zimmer steckte.
»Frühstücken? Gewiß!« lautete die Antwort. »Aber bringen Sie gleich zwei Gläser mit herein, Henriette, und zwei Teller und Messer und Gabeln dazu!«
»Ich danke Ihnen wirklich, lieber Rath,« sagte der Major, dem der ganze Appetit vergangen war – »ist mir noch zu früh.«
»Noch zu früh?« lachte der Rath. »So? – Da waren wir einmal in Schwerin »Im Mohren«, fuhr er fort, während er sich die Unaussprechlichen anzog, was mit einiger Schwierigkeit verbunden war, da ihm die Brille immer dabei herunterrutschte, »und der Geheime Regierungsrath Hesse – er wurde nachher Minister und hat eine bedeutende Rolle gespielt – war auch hereingekommen – um nach einem Fremden zu fragen. Wir saßen und frühstückten – frische Austern und alten Rheinwein dazu – es schmeckt eigentlich Morgens nichts besser als frische Austern und alter Rheinwein –, und wie er hereinkam, riefen wir ihm zu und sagten, er solle sich doch mit hersetzen; aber er meinte auch, es wäre ihm zu früh. Und glauben Sie, daß er gefrühstückt hätte? Gott bewahre!«
»Sagen Sie einmal, lieber Rath,« fragte jetzt der Major, der nicht mit Unrecht eine zweite, der ersten rasch folgende Erzählung fürchtete, denn wenn der Mann im Zuge war, ging es Schlag auf Schlag, »weshalb ich eigentlich herkam: können Sie mir nicht sagen, wie ich am besten nach Vollmers hinaus komme?«