»Der verdammte Kasten hat, glaub' ich, gar keine Federn,« sagte er, als sie eine Weile auf einem Feldweg hingerasselt waren; »er stößt Einem ja die Seele aus dem Leib.«
»Aber Sie glauben gar nicht,« erwiederte der Rath, »wie wohlthätig das Schütteln auf die Verdauung wirkt, und ich spüre den segensreichen Einfluß jedesmal. Sie wissen, ich leide daran. Da fuhr ich einmal in Schwerin, wo ich etwas auf dem Lande zu besorgen hatte, mit einem Leiterwagen, weil kein anderes Fuhrwerk zu bekommen war, und zu Fuß war mir der Weg zu weit, obgleich ich täglich meinen Spaziergang mache und mich dann jedesmal in Schweiß laufe – ich muß das schon meiner Gesundheit wegen thun – etwa dritthalb Stunde über einen Weg – einen Weg, sage ich Ihnen, Major, man kriegte Hühneraugen, wenn man nur den Weg ansah. Wissen Sie, es war weicher Boden, wo sie an den sumpfigen Stellen hatten Knüppel hineinwerfen müssen, um bei nasser Witterung die Wagen vom Versinken abzuhalten. Nun aber war es sehr lange trocken gewesen und die alte Wagenspur so hart und fest wie Stein geworden. Da ging es denn hinauf und herunter, daß man die Zunge im Munde festhalten mußte, und wenn man einmal auf so eine Stelle mit Knüppeln kam – nein, ich versichere Ihnen, es stieß einem geradezu den Hut vom Kopf herunter!«
»Hören Sie einmal, Rath,« sagte der Major, der nicht mit Unrecht fürchtete, auf dem ganzen Wege derartige Erzählungen dulden zu müssen, »ich will Ihnen etwas sagen. Wissen Sie, weshalb ich heute nach Vollmers fahre?«
»Sie? Nun, um den Aepfelwein einmal an der Quelle zu trinken. Ich habe Sie ja lange genug darum gebeten, mich einmal zu begleiten.«
»Der Teufel soll Ihren Aepfelwein holen,« knurrte der alte Soldat, »er liegt mir noch wie blanker Essig im Magen! Nein, ich habe einen andern Zweck, und da Sie doch einmal ein Rath sind, so sollen Sie mir nun auch einen Rath in einer Sache geben. Aber ich muß ein bischen vorsichtig sprechen, sonst beißt man sich, weiß es Gott, auf dem verfluchten Marterfuhrwerk einmal aus Versehen die Zunge ab.«
»Da fällt mir eine Geschichte ein,« sagte der Rath.
»Jetzt will ich Ihnen erst einmal eine erzählen,« sagte aber der Major, fest entschlossen, den Rath nicht so schnell wieder zum Wort kommen zu lassen. »Sie haben mir versichert, der Kutscher hört schwer.«
»Er ist halb taub. Sie müssen schreien, wenn Sie mit ihm reden wollen, und das greift Einem die Lunge an.«
»Desto besser, denn er braucht auch gar nicht zu hören, um was es sich hier handelt. Sie können doch verstehen, was ich sage?«
»Jedes Wort. Ich habe ein Ohr wie ein Luchs. Da kam einmal in Schwerin....«