»Na, wissen Sie, Rath,« sagte der Major, dessen Höflichkeit doch nicht so weit ging, einen Wein zu loben, der ihm in dem nämlichen Augenblicke die Eingeweide zusammenzog, »ich habe in meinem Leben schon besseren getrunken.«

»Besseren?« rief der unverwüstliche Rath. »Das gebe ich zu, wenigstens solchen, der besser schmeckte, aber keinen gesunderen, darauf können Sie sich verlassen, Major, keinen gesunderen! Der arbeitet Ihnen das Innere heraus und macht Sie zu einem vollständig neuen Menschen! Aber nun trinken Sie auch und langen Sie zu.«

Der Major aß ein Stückchen Brot, um den Wein, und trank dann wieder einen Schluck, um das Brot herunter zu bekommen. Er wäre nicht im Stande gewesen, ein Stück von dem Kuh-Euter auch nur an die Lippen zu bringen, ja bei dem bloßen Gedanken wurde ihm übel. Endlich waren sie fertig, und der Wagen hielt auch schon vor der Thür.

Wie sie hinausgingen, klopfte der Rath an die Thür des Schlafzimmers.

»Herzchen,« sagte er zärtlich, »können wir Dir Adieu sagen?«

»Ich bin noch nicht angezogen, Männi,« antwortete die Stimme der Frau Räthin.

»Na, denn leb' wohl, mein Schätzchen,« erwiederte Rath Frühbach. »Ich komme bald wieder und bringe Dir auch etwas mit.«

»Aepfelwein,« dachte der Major und fühlte, wie ihm die Zähne schon wieder stumpf wurden. Dann gingen sie hinaus vor den Garten, wo der Wagen hielt, und fort rollte das leichte Fuhrwerk die Straße entlang, die nach Vollmers zu führte.

11.
Die beiden Verbündeten.

Der alte Major von Halsen war, als er an dem Morgen zum Rath Frühbach kam, wie schon gesagt, gar nicht etwa gewillt gewesen, ihn zum Vertrauten in der Erbschafts-Angelegenheit zu machen; aber Umstände verändern manchmal die Sache, und der Wagen schüttelte ihn nach und nach in eine andere Ansicht hinein.