»Ja, sie bog links um und ging die Straße hinunter.«
»Dort hinzu liegt der Fluß!« stöhnte Baumann, während Leichenblässe seine Züge deckte. Aber er war kein Mann, der sich lange einer Schwäche hingegeben hätte. »Fort, Karl,« rief er rasch, »setz' Deine Mütze auf und lauf', was Du kannst, da hinaus zu und suche die Mutter, und wenn Du sie findest, gehst Du ihr nicht von der Seite!«
»Aber, Vater....«
»Lauf', sag' ich, was Du laufen kannst – und Ihr Uebrigen alle auch – die Meisterin ist krank – sie war vorhin ohnmächtig geworden – es kann ihr ein Unglück geschehen, wenn Niemand bei ihr ist! Wo ist die Else?«
»Drinnen in der Stube, Vater. Sie weint, weil die Mutter weinte, als sie fortging.«
»Ich werde Sorge für das Kind tragen, Meister, und es in der Nachbarschaft unterbringen,« sagte der Medicinalrath; »sorgen Sie sich nicht deshalb und eilen Sie, selber Ihre Frau aufzusuchen, denn in einem solchen exaltirten Zustand kann man allerdings für nichts einstehen.«
»Ich danke Ihnen, Herr Doctor,« rief der Mann; »aber wir dürfen auch keinen Augenblick Zeit verlieren!« Und ohne weiter den Blick zu wenden, sprang er zur Thür hinaus und eilte, von Karl und den Uebrigen gefolgt, die sich bald nach verschiedenen Richtungen hin vertheilten, die Straße hinab und jetzt vor allen Dingen dem Ufer des Flusses zu, denn er fürchtete das Entsetzlichste.
13.
Das Geständniß.
Die Frau des Schlossermeisters Baumann hatte, wie Karl auch gesehen, das Haus verlassen und sich die Straße hinabgewandt; aber Baumann's Furcht, daß sie in Angst und Aufregung beabsichtigen könne, sich ein Leides anzuthun, war unbegründet. Sie folgte allerdings eine kurze Strecke der Straße, die sich dem Fluß und einer darüber führenden Brücke zuzog, drehte dann aber rechts ab in einen Seitenweg hinein, bis sie das Haus des Staatsanwalts Witte erreichte. Aber schon unterwegs zog sie die Blicke der Vorübergehenden auf sich, denn sie schien Niemanden zu sehen, sprach dabei mit sich selber und nickte dazu, während sie sich mit beiden Händen die Ellbogen hielt, als ob sie fröstele, ununterbrochen mit dem Kopfe.
Erst auch in dem Hause angelangt, kam sie ordentlich wieder zur Besinnung, denn bis dahin war sie wie in einem Traum fortgeschritten. Sie blieb auf dem Hausflur stehen, strich sich die Haare aus der Stirn, ordnete ihr Tuch etwas besser und sah nach ihrem Kleid, als ob sie irgendwo einen Besuch machen wolle, und stieg dann langsam, aber ohne irgend ein Zögern die Treppe hinauf.