Oben blieb sie stehen. Die eine Thür zeigte allerdings deutlich genug durch ein Schild das Büreau des Staatsanwalts an; aber sie wußte auch, daß dort viele Schreiber saßen, und sie wollte ihn allein sprechen. Ging sie lieber hinüber zu einer der in die Wohnung führenden Thüren? Aber nein, dort mußte sie fürchten, jenem Mädchen zu begegnen, das ihrem Fritz so weh gethan und ihn vielleicht gar zu der schwarzen That getrieben. Lieber zu den fremden Männern in die Stube – dort wurde sie doch nicht verachtet und zurückgestoßen, und ohne sich länger zu besinnen, schritt sie auf die bezeichnete Thür zu und klopfte an.

»Herein!« rief die monotone Stimme des einen der Schreiber, und die Frau stand auf der Schwelle und warf den Blick scheu in dem engen Raum umher.

»Ist der Herr Staatsanwalt zu Hause?«

Der Schreiber deutete, ohne eine weitere Antwort für nöthig zu halten, mit der Feder nach der Stube desselben.

»Ist er allein?«

»Ja, aber er wird nicht viel Zeit haben, er muß bald fort.«

»Ich muß ihn sprechen.«

»Gut, versuchen Sie es – da drinnen ist er« – und wieder kritzelten die Federn über das Papier.

Die Frau schritt der Thür zu, und einer der Leute blickte über sein Heft nach ihr hin – wie merkwürdig blaß sie aussah! Aber sie waren ja gewohnt, hier von allen Leidenschaften bewegten Menschen zu begegnen – wer wußte denn, was sie hatte! Drinnen der Staatsanwalt würde die Sache schon in Ordnung bringen.

»War das nicht die Baumann?« flüsterte einer der jungen Leute über sein Stehpult hinüber, »deren Sohn wegen der Salomon'schen Geschichte sitzt?«