»Ich glaube, ja,« sagte ein Anderer. »Der alte Salomon soll ja wohl heute beerdigt werden – so eine Judenleiche möchte ich gern einmal sehen....«

»Ja, aber sie lassen Einen nicht dazu,« meinte der Erste wieder; »in den Kirchhof darf man nicht hinein.«

»Und was machen sie mit dem Baumann?«

»Bah, sie haben ja gar keine Beweise gegen ihn und müssen ihn wieder laufen lassen! In der Zeit, wo er vorher gesehen ist, kann er die That gar nicht verübt haben, und ist auch sonst ein ganz anständiger Kerl!«

Die jungen Leute hatten weiter kein Interesse an der Sache und schrieben weiter, denn der Staatsanwalt konnte jeden Augenblick herauskommen, und es gab heute Morgen entsetzlich viel zu thun.

Drinnen im Zimmer des Staatsanwalts spielte indeß eine andere Scene.

»Frau Baumann?« sagte Witte, als er sie erkannte und sich wohl denken konnte, weshalb sie kam – des gefangenen Sohnes wegen. »Ja, es thut mir leid, aber so schnell geht die Sache nun einmal nicht mit unseren Gerichten. Uebrigens....«

»Kann ich ein paar Worte allein, ganz allein mit Ihnen sprechen, Herr Staatsanwalt?« unterbrach ihn die Frau, indem sie ihn mit ihren großen Augen scharf und doch bittend ansah. »Ich habe Ihnen etwas sehr Wichtiges zu sagen, aber es darf mich Niemand weiter hören, als Sie – und Gott,« setzte sie leise und kaum hörbar hinzu.

»Etwas sehr Wichtiges?« sagte Witte erstaunt.

»Etwas sehr Wichtiges,« wiederholte die Frau, »und Sie werden die Zeit nicht bereuen, die Sie darauf verwenden.«