»Aber was, liebe Frau?« sagte der Staatsanwalt, der aus den unzusammenhängenden Sätzen nicht klug wurde.
»Sie wissen eigentlich schon Alles,« flüsterte die Frau, »aber nur noch nicht recht – die Müller war schon bei Ihnen, und es ist jetzt vor den Gerichten.«
»Die Müller? Welche Müller?«
»Die Müller von Vollmers...«
»Aber was hat das mit Ihrem Sohn zu thun?«
»Es ist nicht mein Sohn!« stöhnte die Frau, indem sie sich krampfhaft an der Lehne ihres Stuhles festhielt. »Es ist – der Sohn – des – Baron von Wendelsheim!«
»Alle Teufel!« rief Witte, fast unwillkürlich vor seinem Stuhl emporspringend. »Die Sache ist allerdings wichtig – aber warten Sie einen Augenblick. Fassen Sie Muth, liebe Frau Baumann, gestehen Sie nur Alles aufrichtig, und was ich dann für Sie thun kann, das seien Sie versichert, daß ich es thun werde – ich bin gleich wieder bei Ihnen –« und rasch schritt er durch sein Arbeitszimmer der Schreibstube zu.
»Gerber,« sagte er hier, »Sie mögen einmal hinauf auf das Stadtgericht gehen und dort in Nr. II den Justizrath Bertling bitten, mich auf eine halbe Stunde zu entschuldigen – ich kann jetzt nicht fort. Ist frisches Wasser in der Flasche?«
»Jawohl, Herr Staatsanwalt – eben geholt.«
»Geben Sie mir einmal die Flasche – ich danke Ihnen – ein Glas habe ich selber drüben – ich bin für Niemanden zu sprechen.«