Der Staatsanwalt eilte mit der Flasche und einem Glase zu der Frau Baumann zurück, die sich aber in der Zwischenzeit vollständig erholt und jede Schwäche niedergekämpft hatte. Sie trank allerdings ein Glas Wasser, aber sie schien jetzt vollkommen ruhig und gefaßt. Das Schlimmste war auch eigentlich überstanden, das Geständniß selber abgelegt, das Geheimniß gebrochen, und jetzt blieb ihr nur noch übrig, die nöthige Aufklärung über das Einzelne zu geben, und das mußte ihr leicht werden, denn sie sprach ja nur die reine, lautere Wahrheit.
»Sie haben mir da vorher, meine liebe Frau Baumann,« begann der Staatsanwalt jetzt – denn er wollte vor allen Dingen die Thatsache constatirt haben – »eine wunderbare Eröffnung gemacht, in der ich Sie noch einmal fragen muß, ob ich Sie auch richtig verstanden habe. Sie sagten nämlich, daß Ihr Sohn – Sie meinten damit den Friedrich Baumann, nicht wahr?«
»Ja, Herr Staatsanwalt.«
»Nicht Ihr Sohn, sondern der des Barons von Wendelsheim wäre. Ist das richtig?«
»Merkwürdig – und weiß der Baron Wendelsheim davon?«
»Nein, Herr Staatsanwalt.«
»Er weiß es nicht?« rief der Mann erstaunt.
»Nein, Herr Staatsanwalt.«
»Aber wie ist das um des Himmels willen möglich? Wußte es denn seine verstorbene Frau?«