Die Frau schüttelte mit dem Kopf.
»Und der Lieutenant eben so wenig?«
»Kein Mensch weiß etwas davon, als Heßbergers und ich – und jetzt Sie.«
»Hm,« sagte der Staatsanwalt, »das ist bei Gott eine wunderbare Geschichte und wird....« Er brach kurz ab, rieb sich mit der flachen Hand den Kopf und setzte seinen unterbrochenen Spaziergang fort.
»Wissen Sie, liebe Frau,« sagte er endlich, als er nochmals stehen blieb, »daß wir mit der Sache in ein wahres Wespennest hineingerathen, denn wenn die Heßberger'schen Eheleute leugnen – und das thun sie jedenfalls –, so glaubt uns nachher kein Mensch ein Wort von der ganzen Bescherung. Es sind vierundzwanzig Jahre darüber hingegangen, und der alte Baron – und sein Satan von einer Schwester erst recht – werden sich hüten, auch nur eine einzige der angeführten Thatsachen zuzugeben. Sie werden es für blanke Lüge und Verleumdung erklären.«
»Ich habe die Wahrheit gesprochen,« sagte die Frau feierlich, »so mir Gott in meiner letzten Stunde beistehen soll!«
»Ich glaube es Ihnen, liebe Frau, ich glaube es Ihnen, jede Silbe, und ich durchschaue auch jetzt das Ganze gut genug, aber Beweise – wo kriegen wir Beweise her? Die müssen wir schaffen, ehe wir nur damit herauskommen können, oder wir verderben Alles.«
»Und indessen tödten sie mir den Sohn, den ich genährt und erzogen und so lieb habe wie den eigenen!« rief die Frau in Angst und Aufregung.
»Wen? Den Fritz Baumann?«
»Hat er denn nicht gestanden und soll er nicht schon übermorgen hingerichtet werden?«