Da fuhr plötzlich ein Schirm in die weit geöffnete Thür, und als er den Kopf dorthin wandte, tauchte sein ältester Sohn Fritz darunter auf und rief ihm lachend einen Guten Morgen zu.

»Na nu?« sagte der Alte, indem er den Hammer ruhen ließ und ihn erstaunt betrachtete. »Wo kommst Du bei dem Wetter her, und noch dazu in Sonntagskleidern? Du – trägst wohl wieder ausgebesserte Arbeiten aus, mein Junge, he?«

»Nein, Vater,« rief Fritz, aber doch ein wenig verlegen, denn er wußte recht gut, auf was der alte Mann anspielte, »wegzutragen habe ich heute nichts; aber ich wollte nur einmal zu Dir und Mutter kommen, um etwas mit Euch zu reden.«

»In Sonntagskleidern?«

»Ich habe überhaupt noch einen Besuch zu machen – Professor Anders, der Astronom, hat mich gebeten, wegen einer größeren Arbeit zu ihm zu kommen, und da – mochte ich doch nicht in meinen Arbeitskleidern gehen. Uebrigens erwischte mich das Wetter, und ich bin nur eben noch glücklich vor Thorschluß hier eingefahren, Ist die Mutter zu Hause?«

»Ja, sie sitzt drinnen – geh' nur hinein; wenn ich hier mit dem Schlüssel fertig bin, komme ich gleich nach, denn in dem Aufzug kannst Du mir doch nichts helfen – Donnerwetter, Glacéhandschuh' – na, und das Alles, um einem Professor einen Besuch zu machen. Ich gehe bei solchen Wegen allerdings auch in Leder, aber mit meinem Schurzfell. Junge, Junge, Du wirst mir verdammt fein und geschniegelt, und ich habe es bis jetzt gar nicht geglaubt, daß zwischen einem Schlosser und einem Mechanikus solch' ein Unterschied wäre. Du, Karl, mach' einmal Deinem Herrn Bruder die Thür auf, daß er sich die Glacéhandschuh' nicht an der vielleicht rußigen Klinke schmutzig reibt.«

»Danke, Vater, danke,« lachte Fritz, indem er der Thür zusprang, »so gefährlich ist's denn doch noch nicht, und das kann ich allein besorgen.«

Der Vater sah ihm, das Eisen in der Hand und den Hammer noch auf dem Ambos ruhend, in einer etwas gebückten Stellung nach, so lange er ihm mit den Augen folgen konnte, und ein leises, aber nicht unfreundliches Lächeln flog über seine ehrlichen Züge. Dann schüttelte er still vor sich hin den Kopf, und wieder hob sich der schwere Hammer, als ob es eine Feder gewesen wäre, und kam wuchtig auf das sprühende Eisen nieder.

Fritz, der seinen Schirm in der Werkstätte abgestellt hatte, denn auf dem Boden dort mochte er triefen, wie er wollte, trat zur Mutter in's Zimmer und setzte sich zu ihr, und die Beiden sprachen lange und angelegentlich mit einander – ja, eine so wichtige Sache mußten sie wohl verhandeln, daß die Mutter sogar ihre Arbeit ruhen ließ und die Hände im Schooß faltete, bis der Vater zu ihnen herein kam.

»Na,« sagte er, als er sie da so sitzen sah, »eine Hand kann ich Dir heute nicht geben, mein Junge; Du bist mir zu fein, und zum Waschen hab' ich keine Zeit, denn ich muß gleich wieder hinaus. Also was hast Du zu sagen, und was ist denn überhaupt mit Euch Beiden? Ihr seht mir ja alle Zwei so feierlich aus? Hör' einmal, Junge, ich glaube, Du willst doch wieder eine fertige Arbeit austragen, he?«