»Gut, danke schön, weiter verlang' ich nichts; das Uebrige besorg' ich mir dann schon selber, denn auf den Kopf gefallen bin ich auch nicht, und in meinem eigenen Hause brauche ich mich nicht beschimpfen und beleidigen zu lassen.«

»Nein, das allerdings nicht,« sagte Meister Baumann; »und hat das wirklich Jemand gethan?«

»Ih, denken Sie nur,« rief die Frau, »kommen da neulich – ich habe zehn Tage von dem Aerger krank im Bette gelegen – so ein paar ganz anständig gekleidete Herren – der eine war ein Rath und der andere ein Major – zu mir in's Haus hinein und reden so zuckersüß und gehen immer wie die Katze um den heißen Brei herum, thun auch, als ob sie gar nicht zu mir, sondern nur zu meinem Schwiegersohn gewollt hätten, der gerade wieder mit meiner Tochter fortgefahren war. Wie ich aber nicht anbiß, denn wer denkt denn in seiner Gutmüthigkeit an so 'was, fingen sie an vom Baron Wendelsheim und seinem ältesten Sohn zu reden.«

»Vom Baron Wendelsheim?« rief Frau Baumann.

»Ja wohl,« nickte Madame Müller; »und auf einmal sagte mir der eine von ihnen, der Rath – und ein Mundwerk hatte er, daß Einem angst und bange wurde – sagte mir der Rath – man sollte es gar nicht für möglich halten –, das Bild von meiner Tochter, das über meinem Sopha hängt und das der Maler Schröter hier gemalt hat, wie sie neunzehn Jahre alt war, wäre gar nicht meine Tochter, sondern das Kind vom Baron, und ich hätte das Kind vertauscht, und die Heßberger hätte es ihnen erzählt.«

»Aber das ist doch ganz unmöglich!« rief Frau Baumann, von ihrem Stuhl emporfahrend.

»Na, ich hab' ihnen aber heimgeleuchtet,« lachte Madame Müller ingrimmig vor sich hin, »die kommen so bald nicht wieder! Was ich ihnen eigentlich gesagt habe, weiß ich gar nicht mehr; aber Excellenz habe ich sie nicht genannt, darauf können Sie sich verlassen. Ich wollte auch gleich nachher auf's Gericht und das Lumpengesindel auf frischer That verklagen; aber der Aerger war mir so in die Glieder geschlagen, daß ich mich wahrhaftig zu Bett legen mußte, und da kriegte ich meinen alten Rheumatismus in das linke Knie, daß ich mich die ganze Zeit nicht rühren konnte. Aber jetzt geht's wieder, und mein erster Gang war heute Morgen zur Heßbergern, Ihrer Schwester, Baumannen, um der einmal ordentlich die Leviten zu lesen, daß sie von einer ehrlichen Frau solche Schandgeschichten erzählt. Die leugnet aber Stein und Bein; kein Wort will sie, weder mit dem Rath noch mit dem Major, gesprochen haben. Aber ich trau' ihr nicht, Baumannen, wenn's auch Ihre Schwester ist; sie hat immer ihre Hinterkniffe gehabt, so lange ich sie kenne, und da wollen wir denn kurzen Proceß machen. Ich muß der Sache auf den Grund gehen, und wenn die Heßberger recht hat, dann sollen mir die beiden Patrone, der Rath und der Major, vor's Messer.«

»Aber, liebe Madame Müller,« sagte Baumann kopfschüttelnd, während seine Frau aufstand und in die Küche ging, »wegen eines solchen Klatsches wollen Sie vor Gericht? Wenn Sie meinem Rathe folgen, so lassen Sie die Hände davon, denn dabei kommt nichts heraus, als höchstens Lauferei und Geldkosten. Kennen Sie denn den Rath Frühbach?«

»Ich? In meinem ganzen Leben hab' ich den Menschen nicht gesehen.«

»Nun ja, der ist aber in der ganzen Stadt dafür bekannt, daß er die Leute auf der Straße anfällt und todtschwatzt.«