»Aber dann soll er mir nicht in's Haus kommen, und Ihnen kann es auch nicht recht sein, Baumann, daß er von Ihrer Schwägerin solche Sachen erzählt.«
»Liebe Madame Müller,« sagte Baumann und sah sich vorher im Zimmer um, ob seine Frau nicht da wäre, »von meiner Schwägerin wollen wir nicht weiter reden; die schwatzt auch mehr, als sie verantworten kann, wenn ich auch nicht gerade glaube, daß sie das gesagt hat, und noch weniger zum Rath Frühbach. Die Heßberger hat ein böses Mundwerk, und je weniger ich von ihr zu sehen bekomme, desto lieber ist es mir – wenn ich's auch meine Alte nicht gern merken lasse, da es ihr weh thut.«
»Nun ja, es sind Schwestern,« sagte Madame Müller; »so ungleich habe ich aber noch gar keine Schwestern gesehen – im ganzen Leben nicht. Ihre Frau ist eine brave, ordentliche Hausfrau, und die Heßberger – na, ich will mir das Maul nicht verbrennen. Hat sie mich aber wirklich auf eine solche gemeine Weise hinter meinem Rücken schlecht gemacht, dann soll sie auch dafür bezahlen, und hat sie's nicht, gut, dann kriegen wir den Rath, denn Einer von Beiden hat gelogen, und bei der Müllern sind sie nur unglücklicher Weise gerade an die Unrechte gerathen. A propos, wo wohnt der Herr Witte?«
Der alte Baumann sah Fritz an, der wie auf Kohlen saß und nur das Aufhören des Regens erwartete. Was interessirte ihn der Alteweiberklatsch! Der wollte jetzt hinüber, und wenn ihm die Frau Müller in die Quere kam, war nichts zu machen – die mußte er deshalb noch eine Weile zurückhalten.
»O, gar nicht weit von hier,« sagte er nach einer kleinen Pause; »aber jetzt können Sie ihn nicht sprechen, Madame Müller. Der Mann hat so viel zu thun, daß er nur in bestimmten Stunden Fremde annimmt. Weißt Du, in welcher Zeit das ist, Fritz?«
»Ich weiß es nicht, Vater,« sagte Fritz, dem selber nichts daran lag, daß ihm die Frau jetzt zuvorkam. »Vor halb Eins ist er, glaub' ich, nicht zu sprechen.«
»Gut, dann geh' ich um halb Eins hin,« nickte die Frau, die sich nun einmal von ihrem Vorsatz nicht abbringen ließ.
»Dann bleiben Sie aber so lange bei uns, Madame Müller,« sagte Baumann, »und essen mit uns, was da ist – viel wird's so nicht geben, und ich glaube, meine Frau ist auch deshalb schon hinaus in die Küche gegangen.«
»Schön, Herr Baumann, von Ihnen nehm' ich das an, denn ich weiß, Sie meinen's genau so, wie Sie's sagen.«
»Ich glaube nicht, daß mich schon Jemand anders gefunden hat.«