»Nein, gewiß nicht – also, es bleibt dabei; und indessen trocknet mir auch die Fahne ein bischen ab, daß ich nicht gar so schlumpig aussehe, wenn man zu fremden Leuten kommt.«
»Na, Fritz, dann könntest Du wohl indessen Deinen Weg abmachen,« wandte sich der Alte jetzt an diesen, »und vielleicht bist Du zum Essen wieder hier – Du müßtest denn gleich eingeladen werden,« setzte er mit einem eigenthümlichen Lächeln hinzu.
»Wo will denn der Fritz hin, er ist ja in seinem Sonntagsstaat?«
»O, nur zu einem Professor wegen Instrumente,« meinte der Vater; »der Regen hat ja auch jetzt aufgehört, und da oben guckt schon wieder der blaue Himmel durch. Das war aber ein Wetter!«
Ein eigenes, schelmisches Lächeln flog über die Züge des jungen Mannes, als er eben an seinen Professor dachte. Aber der Vater hatte Recht, denn wenn er gehen wollte, war es besser, er ging gleich, und ließ sich nicht von der alten Frau Müller zuvorkommen, da er doch den alten Staatsanwalt selber gern einmal vorher gesprochen hätte. Wo war nur die Mutter hingerathen? Er suchte sie draußen in der Küche, konnte sie aber auch dort nicht finden; er hätte gern Abschied von ihr genommen, da er einen so wichtigen Schritt seines Lebens thun wollte – aber er sah sie ja auch gleich nachher.
»Also, Vater, ich gehe jetzt,« sagte er, auf diesen zugehend und ihm die Hand reichend – der alte Baumann wischte aber die seinige erst an einem dort liegenden Tuche ab – »und so wie ich etwas Genaueres erfahre, komme ich her und theile es Euch mit.«
»Schön, mein Junge,« schmunzelte der Alte, »und – grüß' mir Deinen Professor,« setzte er hinzu, »und sag' ihm – wenn Ihr Euch über die Arbeit einigt, natürlich –, er möchte doch auch einmal zu mir herüber in die Werkstätte kommen – verstanden?«
»Gewiß, Vater,« sagte Fritz, während ihm das Blut in die Schläfe stieg, »und hoffentlich einigen wir uns ja. Grüß' die Mutter noch einmal – Adieu – Adieu, Madame Müller!« Und rasch wandte er sich und schritt zur Thür hinaus.
5.
Die Werbung.
Es war doch ein ganz eigenes, beklemmendes Gefühl, mit dem Fritz die Werkstätte durchschritt; denn wenn er sich die Sache bis dahin auch in den rosigsten Farben ausgemalt hatte, so fing ihm das Herz jetzt, da er sich der Entscheidung gegenüber sah, merkwürdig an zu schlagen und zu klopfen, und er war eigentlich ganz zufrieden damit, daß er an der auf die Straße hinausführenden Thür noch einen Augenblick halten mußte, um das Regenwasser erst ein wenig ablaufen zu lassen, denn wie ein Sturzbach kam es noch die Straße nieder. Das ging aber doch verhältnißmaßig rasch, denn da kein neuer Zufluß mehr kam, hatten sich die Dächer bald geleert, und die Schleusen sogen genug davon ein, um wenigstens die Trottoirs frei zu machen.