»Alle Wetter!« rief Witte erstaunt. »Und haben Sie mit Ottilien schon darüber gesprochen?«
»Nein, Herr Witte; ich bin allerdings deshalb heute herübergekommen, aber da ich Sie zuerst traf, hielt ich es für besser, vorher Ihre Meinung darüber zu hören. Ich brauche Ihnen auch nicht zu sagen, daß ich den Schritt genügend vorbereitet thue. Ich kann Ottilien eine zwar nur bescheidene, aber vollkommen ausreichende Existenz bieten und sie von allen Nahrungssorgen fern halten, ja, ihr aus eigenen Mitteln, ohne irgend eine Mitgift zu beanspruchen, auch noch manche Bequemlichkeit bieten. Mit nur einigermaßen bescheidenen Ansprüchen reichen wir dann sicher aus, denn ich habe jetzt schon, besonders von auswärts, so viele ehrenvolle Aufträge und Arbeiten bekommen, daß ich, wenn sich dieselben nicht einmal steigern, schon jetzt genöthigt bin, einige Gehülfen anzunehmen.«
»Lieber Baumann,« sagte der Staatsanwalt, der bei den letzten Worten still und nachdenkend vor sich niedergesehen hatte, »ich weiß, daß Sie ein braver, tüchtiger Mann sind, kenne Sie auch die langen Jahre und habe Sie von Herzen gern. Ihr Vater ist ebenfalls ein braver, geachteter Bürger in der Stadt....«
»Aber?« sagte Fritz und sah erwartungsvoll zu ihm auf.
»Erwarten Sie kein Aber von meiner Seite,« fuhr jedoch der Staatsanwalt mit dem Kopf schüttelnd, fort. »Hätten Sie mit Ottilien schon gesprochen und ihr Jawort erhalten, so würde ich selber gegen ihre Wahl nichts einzuwenden haben, ja, aufrichtig gesagt, wären Sie mir, mit Ihrem einfachen, anspruchslosen Wesen, lieber als vielleicht mancher andere Schwiegersohn. Das Aber liegt allein bei meiner Tochter, und mit der müssen Sie vorher darüber in's Klare kommen; denn das werden Sie keinesfalls von mir erwarten oder wünschen, daß ich meinem Kind in einer so wichtigen Sache zureden oder sie gar bereden solle.«
»Lieber Herr Witte, Sie glauben mir wohl, daß ich an etwas Aehnliches nicht gedacht habe.«
»Gut, dann gehen Sie hinüber zu meiner Tochter und fragen sie selber. Sie treffen es günstig, denn sie ist gerade ganz allein. Aber Eins beantworten Sie mir erst: Haben Sie irgend eine – wie soll ich gleich sagen – eine gegründete Ursache, zu glauben, daß Ottilie Sie wirklich liebt?«
»Bester Herr Witte....«
»Ich will es nicht meinetwegen wissen, lieber Baumann, denn das ist Ihre Sache; aber ich sage Ihnen ganz aufrichtig, daß meine Idee, wenn ich überhaupt einmal an etwas Derartiges dachte, nach einer andern Richtung hin lag. Ich glaubte, Ottilie hätte eine Neigung nach einer andern Seite gefaßt. Aber, lieber Gott, wer kennt ein Mädchenherz aus, und noch dazu ich, der ich mir die Stunden abstehlen muß, die ich in meiner Familie zubringe!«
»Nach anderer Richtung hin?«