»Ich sage Ihnen, es ist das nur eine Vermuthung, und nichts, gar nichts, worüber ich selber mit mir in's Klare gekommen wäre. Sie waren Spielgefährten zusammen....«
»Ja, und immer, seit der Zeit, habe ich Ottilie im Herzen getragen.«
»Also wirklich eine erste Liebe? Aber haben Sie noch nie eine Andeutung davon gegen sie fallen lassen?«
»Neulich, als ich sie zum letzten Male sprach.«
»Und was sagte sie da?«
»Wir wurden gestört – es kam Besuch – es war unmittelbar nach dem Ball, den Sie damals gaben. Aber wenn ich nach ihrem Erröthen und dem Ausdruck ihrer lieben Züge gehen darf, so ist sie mir gut.«
»Na, dann versuchen Sie Ihr Glück in Gottes Namen,« nickte der Staatsanwalt; »der Henker soll aus dem Mädchen klug werden! Von mir haben Sie auch keinen Widerspruch zu fürchten, wobei ich jedoch nicht eben so sicher für die Mutter einstehen möchte. Aber das läßt sich am Ende auch überwinden, und wenn sich ihr Kind glücklich darin fühlt, wird sie auch nichts dagegen haben dürfen.«
»Mein lieber Herr Witte, wie herzlich danke ich Ihnen....«
»Noch haben Sie für gar nichts zu danken, lieber Baumann,« sagte der alte Herr; »denn hoffentlich halten Sie mich doch für einen vernünftigen Mann, der sein Kind eben so gern, oder noch ein groß Theil lieber einem braven Techniker, als irgend einem vornehmen Flieg' in die Luft giebt. Reden Sie mit dem Mädel, und wenn Ottilie damit einverstanden ist und Sie so lieb hat, wie – ich es eigentlich wünsche, dann in Gottes Namen!«
Damit drückte er dem jungen Manne herzlich die Hand und öffnete ihm selbst die Thür, und Fritz flog mehr als er ging – sehr zum Erstaunen der Schreiber – durch die Stube und über den Vorsaal hin.