Fritz klopfte herzhaft an – jetzt war der Bann gebrochen, und als er nach einem rasch folgenden »Herein!« die Thür öffnete, kam ihm Ottilie schon auf halbem Weg entgegen, und es war fast, als ob sie die Hand nach ihm ausstrecke. Aber wie verlegen wurde sie, als sie den jungen Baumann erkannte und stotterte:

»Entschuldigen Sie, Herr Baumann, ich dachte – es ging gerade Jemand – eine Freundin von mir – unten vorüber, und ich – glaubte, sie wäre zu mir heraufgekommen.«

»Und bekomme ich keine Hand, Fräulein Ottilie?«

»Gewiß, warum nicht?« sagte das junge Mädchen, aber immer noch befangen, indem sie ihm die Hand reichte. Sie wußte auch dabei gar nicht, wie sonderbar ihr der junge Mann heute vorkam, ganz anders als sonst – und was wollte er nur? Eine Arbeit war doch nicht bestellt worden.

Fritz aber, dem ihre Verlegenheit nicht entgehen konnte, fuhr rasch fort: »Es thut mir leid, Fräulein Ottilie, daß Sie durch mein Erscheinen vielleicht enttäuscht wurden. Soll ich aber aufrichtig sein, so bin ich froh, daß Sie jetzt keinen Besuch bekommen haben, denn ich möchte ein paar Worte mit Ihnen reden – Sie um etwas fragen.«

»Mich?«

»Ja.«

»Nun, wenn ich Ihnen in irgend etwas Auskunft geben kann, von Herzen gern.«

»Erinnern Sie sich noch der Zeit, Fräulein Ottilie, wo wir zusammen spielten und als Kinder so fröhlich mit einander waren?«

»Sie holen weit aus; aber ich dächte, Sie hätten mich neulich schon darum gefragt. Gewiß, und weshalb nicht?«