Aber da war er an der Schwelle, ja, er stand in der Werkstatt, ehe er es selber recht wußte. Und sollte er hineingehen?

Die Stube öffnete sich, und Madame Müller, die indessen die ganze Zeit hier gesessen hatte, kam heraus. Sein Vater begleitete sie an die Thür.

»Sie können gar nicht fehlen, Madame,« sagte er; »links gehen Sie hinunter, und dann biegen Sie rechts hinein in die erste Straße. Es muß etwa das sechste oder siebente Haus sein; Sie sehen schon das kleine Porzellanschild an der Thür unten: »Staatsanwalt Witte.« Wenn Sie es denn nun einmal nicht anders haben wollen; aber ich an Ihrer Stelle... Holla, Fritz, schon wieder da? Junge, das ist schnell gegangen, fast ein bischen zu schnell,« setzte er langsamer hinzu. »Na, komm nur herein; es ist beinahe, als ob ich heute meinen Ambos gar nicht wieder warm kriegen sollte.«

Madame Müller grüßte, griff ihren, indeß vollständig abgelaufenen Regenschirm wieder auf und verließ das Haus, während Fritz langsam dem Vater in die Stube folgte.

»Wo ist die Mutter, Vater?«

»Weiß der liebe Gott, was sie vorhin angewandelt,« sagte der Alte; »sie wurde auf einmal unwohl, und hat sich auf ihr Bett gelegt. Ach, das geht rasch vorüber! Wenn man in die Jahre kommt, packt Einen manchmal so 'was ganz plötzlich, dauert aber gewöhnlich nicht lange. Mir wurde auch neulich einmal sehr schlecht, wie ich den drei Centner schweren Krahn auf den Wagen gehoben hatte; aber es ging gleich wieder vorüber. Altersschwäche, mein Junge, weiter nichts. Aber was ist mit Dir? Du schneidest gerade so ein Gesicht, als ob Dir der Hafer verhagelt wäre. Abgeblitzt, heh?«

»Ja, Vater,« sagte Fritz mit fester und entschlossener Stimme, denn er hätte dem Vater gegenüber nicht einmal Ausflüchte suchen mögen. »Du hattest recht – wär' ich Deinem Rath gefolgt!«

»Hm, und was sagte sie?« fragte der Vater, indem er beide Hände vorn in sein Schurzfell schob.

Fritz sah eine Zeit lang schweigend vor sich nieder. Endlich flüsterte er: »Sie sagte, Vater, daß sie sich jetzt, wenn wir auch früher als Kinder mit einander gespielt hätten, in den Schranken halten müsse, welche die Gesellschaft für sie gezogen.«

»Unsinn,« brummte der Schlossermeister; »das versteh' ich nicht. Was hat die Gesellschaft mit Eurer Heirath zu thun?«