»Sie meinte damit,« fuhr Fritz finster fort, »daß sie zu vornehm wäre, um einen Handwerker zu heirathen, wenn Dir das deutlicher ist.«
»Das ist allerdings deutlich genug,« lachte der alte Schlosser ingrimmig vor sich hin; »aber nicht anders, als ich's mir gedacht hatte. Und die Mutter war natürlich ganz damit einverstanden?«
»Die Mutter war gar nicht zu Hause.«
»Und der Vater?«
»Ist ein Ehrenmann. Ich sprach mit ihm vorher darüber, und er war freundlich und gut, und sagte mir, daß er mit Freuden seine Einwilligung geben würde, wenn die Tochter es wünsche.«
»Also ich hatte wieder einmal recht?«
»Ja, Vater.«
»Armer Junge,« nickte der Vater nach längerer Pause, in der Beide ihren Gedanken folgten. »Das war freilich ein böser Gang, und ein mäßiger Amboß ist manchmal leichter zu tragen, als so ein Korb. Aber laß Dir's nicht leid sein, Fritz. Mir ist dabei, ich gebe Dir mein Wort, eine Last vom Herzen, denn das Mädel hätte nicht zu Dir gepaßt, und Ihr wäret Beide für Euer ganzes Leben unglücklich geworden. Gleich und Gleich gesellt sich gern; aber mit der Familie, den alten Staatsanwalt ausgenommen, würden wir nie zusammen gegangen sein. Es ist gegen die Natur; und was wär' das nachher für ein Leben, wenn man nicht einmal den Sohn in seinem eigenen Hause besuchen dürfte, und die Schwiegereltern wie Hund und Katze zusammen lebten! Und paßt Du etwa zu Bällen und großen Mittagsessen, wo eine Menge vornehmes Pack zusammenkommt und die Handwerker über die Achsel ansieht? Daß sich das Volk selber nicht ernähren kann, und mit seinem Adelsstolz vom Staate gefüttert werden muß, sehen sie nicht ein! Das gehört sich, das war in der Weltgeschichte nie anders; aber der Plebs darf ihnen nicht in die Quere kommen!«
»Wittes sind ja aber doch gar nicht adelig, Vater...«
»Um so viel schlimmer, mein Junge. Mit einem wirklich vornehmen Manne ist immer leicht verkehren, aber das unausstehlichste Gesindel sind derlei Bürgerliche, wenn sie sich in den Adel hineindrängen, und die alte Frau Witte mitsammt ihrer Tochter gehören zu der Race, von der Frisur oben bis zur Fußspitze hinunter.«