Fritz hatte sich auf einen Stuhl geworfen und stützte den Kopf in die Hand.
»Und Alles umsonst,« sagte er leise; »wie habe ich gearbeitet und geschafft, wie gedarbt und gespart, nur immer mit der einen Hoffnung im Herzen, und jetzt Alles vergebens!«
»Wenn ich nur so 'was nicht hören müßte!« rief der alte Schlossermeister. »Du redest gerade, als ob Du ein Greis von einigen achtzig Jahren wärst und Dich nun ganz behaglich in die Grube legen könntest. Du hast gearbeitet und geschafft, ja, aber nicht für die stolze Liese, die sich zu gut dünkt, eines braven Mannes Frau zu werden, sondern für Dich selbst, und was Du gethan und geleistet hast, kommt Dir jetzt selber zu Gute. Erste Liebe – ja, prosit die Mahlzeit! Wie wenig Menschen giebt es auf der Welt, die ihre erste Liebe bekommen! Das ist die Blüthe am Baume, die Frucht kommt später, und junges Volk glaubt gewöhnlich, wenn es sich in das erste glatte Gesicht vergafft hat, daß es sterben und verderben würde und müsse, wenn sie das nicht als Eigenthum bekämen, 's ist aber nicht wahr, und sie leben ruhig fort, und finden auch bald eine Andere, die sie eines Besseren belehrt. Glaubst Du, daß Deine Mutter meine erste Liebe gewesen wäre, oder ich ihre? Gott bewahre! Ich hatte ein Mädel gern, das mit einer Familie von England gekommen war, ein blitzsauberes Ding, und ich hätte mich damals mit Vergnügen für sie todtschlagen lassen. Nachher hat sie den dicken Wirth in Eichenbach geheirathet und jetzt zehn oder zwölf Kinder, lauter Jungen, und ich danke meinem Schöpfer noch heute, daß ich Deine Mutter und nicht sie bekommen habe, denn sie ist ein Drache, und der Skandal im Hause hört nicht auf, während Deine Mutter und ich in Frieden und Liebe die langen, langen Jahre verlebt und nie den Tag bereut haben, an dem wir unsere Hände in einander legten und Ja sagten. Willst Du fort?«
Fritz war aufgestanden und hatte seinen Hut genommen. »Ja, Vater,« sagte er, »ich will nach Hause und wieder mein Arbeitszeug anziehen, ich werde die Gedanken sonst nicht los.«
»Da hast Du recht,« nickte der Vater, »das Gescheidteste, was Du thun kannst, und wenn Du meinem Rathe folgen willst, mein Junge, so freie das nächste Mal, wie ich um Deine Mutter gefreit habe, nicht in einem feinen Rock und mit nichtsnutzigen Handschuhen an den Händen, sondern im Schurzfell. Die Ehen halten nachher, und wenn Ihr Euch Beide lieb habt in der Arbeit, so habt Ihr Euch auch lieb im Glück und Ueberfluß – umgekehrt stimmt's nicht.«
»Adieu, Vater!«
»Hast Du denn schon gegessen?«
»Ist mir heute der Appetit vergangen,« sagte der junge Mann, indem er ohne weiteren Gruß zur Thür hinausschritt.
Der alte Schlossermeister blieb noch eine Weile am Tisch stehen und sah ihm nach. So lieb es ihm auch sein mochte, daß aus der Verbindung, der er nie etwas Gutes zugetraut, nichts geworden war, so ärgerte es ihn doch, daß jenes stolze Ding seinen Fritz so hatte ablaufen lassen. Aber das dauerte nicht lange; Meister Baumann war kein Charakter, der stundenlang über geschehene Dinge nachgegrübelt hätte.
»Wetterhexe!« brummte er nur leise in den Bart, dann schob er sich das Käppchen auf's linke Ohr, und zehn Minuten später schallten die Schläge seines Hammers wieder so lustig durch die Werkstatt, wie nur je.