»Nun gut, dann müssen Sie sich doch auch von einer solchen Klage einen praktischen Nutzen versprechen, nicht wahr?«
»Ich will nichts für mich davon haben,« sagte die Frau, die ihn falsch verstand; »nur die Beiden sollen abgestraft werden, wie sich's gehört und wie sie's verdient haben.«
»Das meine ich nicht,« sagte kopfschüttelnd Witte; »Sie selber haben natürlich nichts davon, als Lauferei und Unannehmlichkeiten, und das wäre das Wenigste, denn denen muß sich jeder unterziehen, der vor Gericht geht. Aber um ganz reine Sache zu haben und die Schuld allein auf Ihre Gegner zu wälzen, fürchte ich, sind Sie schon gleich von Haus aus zu weit gegangen.«
»Ich – wie so denn?«
»Sie scheinen mir etwas heftiger Natur, und wie ich vorhin aus Ihrer ganzen Erzählung vernommen, haben Sie den Herren nicht allein tüchtig die Wahrheit gesagt – dagegen ließe sich nichts einwenden –, sondern Sie haben auch Schimpfworte wie Schafskopf und dergleichen gebraucht und dadurch eine Beleidigung nicht allein erlitten, sondern auch gleich erwiedert.«
»Aber der Henker soll da ruhig bleiben, wenn Einem in seinem eigenen Hause...«
»Ich gebe Ihnen ganz recht, verehrte Frau – in meinen Augen sind Sie vollkommen entschuldigt und wir Alle hätten unter ähnlichen Verhältnissen vielleicht das nämliche gethan; aber die Gesetze sind darin außerordentlich streng, und bedenken Sie selber, wie das aussehen würde, wenn Sie Jemanden gerade eines Vergehens wegen anklagen wollten, das Sie ebenso gegen ihn verübt.«
»Ach bah – was ist denn das, wenn ich einen Menschen einen Schafskopf nenne?«
»Bitte um Verzeihung, Madame, einen gewöhnlichen Menschen vielleicht nicht, aber bedenken Sie, einen Rath! Sie beleidigen dadurch nicht allein den Mann, sondern den Staat, ja, den König selbst, der ihn zum Rath gemacht hat, denn Sie sagen damit, daß er einen Schafskopf zum Rath ernannt habe.«
»Na, und das kommt wohl nicht vor?«