Witte zuckte die Achseln. »Wir dürfen es aber nicht aussprechen,« sagte er, »und Sie könnten in den Fall kommen – und kommen sicher hinein –, daß Sie den Herren noch öffentlich Abbitte thun müßten.«
»Und das nennen Sie Gerechtigkeit?« rief Madame Müller, den Arm entrüstet in die Seite stemmend. »Der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird, und eine arme, alleinstehende Frau, die nichts hat, als ihre Zunge, soll noch nicht einmal Schafskopf damit sagen dürfen?«
»Und auf was wollen Sie eigentlich klagen, Madame Müller? Der Herr Rath hat behauptet, daß das Bild in Ihrer Stube nicht das Ihrer Tochter, sondern einer Tochter des Barons von Wendelsheim wäre. Gut, das ist aber noch immer keine Beleidigung, sondern nur ein Irrthum.«
»Aber der Baron hat ja gar keine Tochter, und er meinte damit...«
»Was er damit meinte, können wir Beide nicht wissen, und noch weniger das Gericht. Wir vermuthen allerdings, was er damit meinen konnte; aber darauf läßt sich keine Klage basiren.«
»Aber er sagte mir auch direct auf den Kopf zu, ich hätte die Kinder umgetauscht.«
»Das wäre allerdings eher ein Grund, um klagbar aufzutreten; aber erinnern Sie sich noch ganz genau der Worte? Bedenken Sie wohl, so genau, daß Sie dieselben auch beschwören können; denn es wäre ja wohl sehr leicht möglich, daß er eine Vertauschung behauptet und Sie dabei genannt habe, ohne gerade zu sagen, daß Sie die eigentliche Person wären, welche die Vertauschung bewirkt hätte. Auf das Setzen der Worte kommt hier Alles an. Können Sie sich noch genau darauf besinnen?«
»Ja, Du lieber Gott,« sagte Madame Müller, doch jetzt stutzig gemacht, »es sind nun zehn oder zwölf Tage darüber hingegangen – den Sinn weiß ich noch genau, und der war so...«
»Wie Sie ihn nämlich verstanden haben.«
»Nun natürlich – aber die einzelnen Worte, wer kann die so lange und so genau im Kopfe behalten?«