»Und doch kommt gerade auf die Worte Alles an,« sagte Witte; »wenn Sie die nicht genau vor Gericht beschwören können, so fällt Ihre ganze Klage zusammen und Sie werden abgewiesen. Rath Frühbach aber, der weit eher im Stande ist, seinen Schafskopf eidlich zu erhärten, dreht den Spieß nachher um, und Sie haben außer Ihren Laufereien auch noch Kosten und Unannehmlichkeiten.«

»Das nehme mir aber kein Mensch übel,« rief Madame Müller entrüstet aus, »da hört doch die Gerechtigkeit auf, wenn sich eine arme, alleinstehende Frau sollte ungestraft beleidigen lassen, blos weil sie nicht mehr genau weiß, was das Lumpenvolk gesagt hat! Denken Sie denn, daß man in einem solchen Augenblick, wo Einem die Galle überläuft, auch auf jede Silbe so genau passen und sie gleich aufschreiben kann? Und das glaub' ich auch nicht,« setzte sie bestimmt hinzu, indem sie von ihrem Stuhl aufstand und einen Blick nach ihrem Schirm warf; »das wollen wir doch erst noch einmal sehen.«

»Wollen Sie mir die Sache überlassen, Madame Müller?«

»Dazu war ich von Anfang an hergekommen; aber wenn Sie mir gleich von vorn herein sagen, daß ich...«

»Erlauben Sie mir einmal, verehrte Madame – Sie wollen doch nur Genugthuung für die angethane Beleidigung, nicht wahr?«

»Weiter nichts auf der Gotteswelt.«

»Also ist es Ihnen doch auch einerlei, ob Sie die vor Gericht oder privatim bekommen?«

»Das weiß ich nicht,« sagte Madame Müller.

»Die Sache bleibt doch immer dieselbe, nur mit dem Unterschiede, daß Sie auf privatem Wege Ihren Zweck gewiß erreichen, aber auf gerichtlichem Wege nicht; und außerdem haben Sie auf ersterem gar keine Kosten.«

»Hm – und was wollen Sie thun?«