»Ich werde den Herrn Rath Frühbach und den Major von Halsen veranlassen, daß sie Ihnen schriftlich eine Ehrenerklärung geben, nicht gewillt gewesen zu sein, Sie zu beleidigen.«
»Und daß Alles, was sie gesagt haben, lauter Lügen sind.«
»Das läßt sich Alles auf eine feine Art darin anbringen, und daß die beiden Herren ferner bedauern, Sie durch irgend ein Wort und eine Andeutung gekränkt zu haben.«
»Und von dem Schafskopf sagen wir nichts weiter?«
»Der bleibt unberührt.«
»Und wenn sie's nicht thun?«
»Dann bleibt Ihnen immer noch die Klage offen, so gut, als heute. Aber lassen Sie mich den Versuch machen, und ich glaube, Sie werden davon befriedigt sein. Lieber Gott, ich habe ja doch wahrhaftig nichts dabei! Sie hören, daß ich nicht Einen Pfennig für meine Mühe verlange; aber ich sehe, daß Sie eine brave, rechtschaffene Frau sind, und möchte Sie nicht in Ungelegenheiten bringen.«
»Gut denn, Herr Advocat,« sagte die Frau, indem sie ihm treuherzig die Hand entgegenstreckte; »ich sehe, Sie meinen es wirklich ehrlich, und ich will Ihrem Rathe folgen.«
»Aber eine Bedingung habe ich noch dabei,« sagte Witte: »daß Sie nämlich den Brief der beiden Herren nicht öffentlich herumzeigen. Die Ehrenerklärung ist nur für Sie bestimmt. Und was hätten Sie auch davon? Andere Menschen würden sich nur darüber lustig machen, denn die Welt liebt nichts so sehr, als Skandal und Klatschereien.«
»Nun, soll mir auch nicht darauf ankommen,« sagte Madame Müller nach einigem Bedenken.