»Also es bleibt dabei?«
»Wenn ich einmal das Wort gesagt habe, können Sie ein Haus darauf bauen,« versicherte Madame Müller mit Würde.
»Dann können Sie sich auch darauf verlassen, daß ich Ihnen die verlangte Genugthuung schaffe. Ich schicke Ihnen den Brief oder bringe ihn vielleicht selber. Ich muß so nächstens einmal nach Vollmers hinauskommen.«
»Soll mir sehr angenehm sein,« sagte Madame Müller. »Und nun leben Sie so lange wohl, Herr Advocat, und machen Sie's gut – ich verlasse mich ganz auf Sie!«
Und sehr befriedigt griff sie ihren Schirm wieder auf und schritt, die sämmtlichen Schreiber, die ihr nachschauten, freundlich grüßend, zur Thür hinaus.
Witte war an seinem Pult stehen geblieben und dachte eben über das Fatale der ganzen Angelegenheit nach, als einer der Leute wieder in's Zimmer sah und sagte: »Herr Staatsanwalt, Frau Gemahlin hat schon ein paarmal nach Ihnen gefragt; möchten gefälligst einmal hinüber kommen.«
»Ja – gleich,« sagte Witte und kratzte sich am Hinterkopf. Er wußte, was ihm dort bevorstand; die Sache ließ sich aber nicht ändern. Wenn Frau Gemahlin etwas Derartiges vorhatte, wurde sie gewöhnlich sehr bald ungeduldig, und je eher er es also abmachte, desto besser.
Als er aber den Vorsaal betrat, hörte er weder bei seiner Tochter, noch bei seiner Frau im Zimmer Stimmen, wonach er ganz richtig schloß, daß Beide nicht mehr zusammen sein könnten, sonst hätten sie sich jedenfalls »ausgesprochen.« Er ging also zu seiner Frau hinüber und fand dieselbe auch richtig, wie er vermuthet, allein in ihrem Gemach, in dem sie wie eine gereizte Löwin auf und ab schritt. Das Barometer deutete auf Sturm.
»Du hattest mich rufen lassen, Therese?«
»Ist es wahr, daß Du den Sohn vom Schlosser Baumann zu Ottilien hinüber geschickt hast?« fragte die Dame mit zorngerötheten Wangen.