»Allerdings, mein Schatz; er wollte mit ihr sprechen.«
»Und wußtest Du, was er mit ihr sprechen wollte?«
»Auch das wußte ich. Er wollte ihr einen Heirathsantrag machen.«
Die Frau blieb mit nach unten gefalteten Händen vor ihm stehen und machte dabei ein so erstauntes Gesicht, als ob er ihr eben erzählt hätte, daß er am nächsten Sonntag zum Besten irgend einer armen Familie auf dem Seile tanzen würde.
»Ist es denn möglich?« rief sie endlich aus. »Du, der Vater, schickst den Schlossergesellen zu Deinem eigenen Kinde, um ihr einen Heirathsantrag zu machen? Wenn ich es nicht mit meinen eigenen Ohren gehört hätte, ich würde es gar nicht glauben.«
»Nun,« sagte Witte, immer noch in der Hoffnung, ein drohendes Ungewitter von sich abzuwenden, denn er vermied am liebsten jede häusliche Aufregung – »und was ist da weiter? Jedem anständigen jungen Mann steht es frei, sich um ein Mädchen, das ihm gefällt, zu bewerben. Ob sie ihn nehmen will, ist dann ihre Sache.«
»Und wenn sie ihn nun genommen hätte, Dietrich, wenn sie nicht vernünftiger gewesen wäre, als Du, der Staatsanwalt Witte?«
»Bitte,« sagte ihr Mann, »Du redest einmal wieder in den Tag hinein. Wenn sie ihn wirklich genommen hätte, wäre es auch noch kein Unglück gewesen, denn der junge Baumann ist ein braver, anständiger Mensch, der gewiß einmal eine recht gute Carrière macht und eine Frau ernähren kann.«
»So?« rief die Frau, die eigentlich hatte heftig werden wollen, aber vor lauter Erstaunen über das Unerhörte gar nicht dazu kommen konnte. »Und in unsere Gesellschaft wolltest Du den alten Schlosser, der im Schurzfell in der ganzen Stadt herumläuft, bringen?«
»Der alte Baumann ist ein so braver, tüchtiger Mann, wie er in der ganzen Stadt zu finden ist,« sagte der Staatsanwalt mürrisch; »ob er in einem Schurzfell oder im Frack herumläuft, ist mir ganz einerlei.«