»Aber jetzt, Dietrich!« rief die Frau, ordentlich erschreckt über die ganz ungewohnte Heftigkeit des Mannes.

»Aber jetzt,« fuhr der Staatsanwalt, der einmal im Zuge war, fort, »geht es uns besser; ich verdiene mehr, als wir brauchen, und wir haben uns größere Lebensbequemlichkeiten angeschafft und in Kreise Zutritt gewonnen, die uns sonst eben so über die Achsel anschauten, wie Du jetzt die Handwerker. Aber das ist falsch, das ist unrecht, und wenn Du nur nicht einmal Deine Strafe dafür bekommst!«

»Das ist blos Deine grenzenlose Bescheidenheit, die aus Dir spricht,« lenkte die Frau in etwas ein, denn auf diese Wendung war sie nicht gefaßt gewesen; »jeder Mensch strebt nach etwas Höherem.«

»Und weshalb wirfst Du das also dem jungen Baumann vor?«

»Aber es muß erreichbar sein, Dietrich,« sagte seine Frau; »und Ottilie, mit der Erziehung, die sie genossen hat, scheint denn auch schon ihre Wahl nach einer andern Seite hin getroffen zu haben.«

»So–o,« sagte der Staatsanwalt gedehnt, »in der That? Und nach welcher, wenn ich fragen darf?«

»Du weißt doch, daß der junge Baron von Wendelsheim sie entschieden ausgezeichnet hat?«

»Davon weiß ich gar nichts,« sagte der Vater, »und habe nichts davon bemerkt – war auch nicht böse darüber.«

»Du hast nichts gemerkt,« sagte seine Frau, »weil Du immer Deine Acten und Processe im Kopfe hast; ich habe es aber gemerkt, und als Mutter mußte ich es merken.«

»Er hat sich, so viel ich weiß, seit einer Ewigkeit gar nicht bei uns sehen lassen.«