»Und wenn der nun um Ottiliens Hand anhalten sollte, würde der Dir nicht lieber sein, als Dein »Techniker«?«
Der Staatsanwalt sah eine Weile still und schweigend vor sich nieder. Allerlei wunderliche Gedanken gingen ihm im Kopf herum.
»Ich weiß es nicht,« sagte er endlich; »aber es ist auch nicht der Mühe werth, sich jetzt schon den Kopf darüber zu zerbrechen, denn er hat noch nicht angefragt. Der alte Schlosser Baumann ist mir übrigens lieber als der alte Baron Wendelsheim. Hat sich Ottilie etwa gegen Dich ausgesprochen?«
Seine Frau zögerte mit der Antwort; endlich sagte sie: »Nein – nicht direct; aber ich habe so meine Vermuthungen, und glaube nicht, daß ich weit am Ziel vorbeischieße.«
Der Staatsanwalt war aufgestanden und ging mit auf den Rücken gelegten Händen im Zimmer auf und ab.
»Soll ich Dir einen Rath geben, Mutter?« sagte er endlich, indem er vor seiner Frau stehen blieb und sie wohl freundlich, aber doch sehr ernst ansah.
»Nun,« meinte diese, »wenn es etwas Gescheidtes wäre; ein guter Rath ist Goldes werth, wie das Sprichwort sagt.«
»Aber die Leute glauben gewöhnlich nie, daß es ein guter ist, und thun doch, was sie wollen; leider Gottes erleb' ich das fast alle Tage! Aber es schadet nichts – es ist einmal mein Amt. Wenn Du also meinem Rath folgen willst, Mutter, so unterstützest Du Ottilien nicht in solchen Ideen. Dir ist ein Handwerker nicht recht – bei mir wäre dasselbe mit einem Adeligen, dessen Sippschaft uns vielleicht über die Achsel ansähe.«
»Aber Vater...«
»Ich werde mein Kind nicht zwingen,« fuhr Witte fort; »hat sie ihr Herz wirklich vergeben, und ist es nicht allein Rang und Reichthum, den sie erlangen will – in Gottes Namen; ob der Mann ein Wappenschild oder ein Schurzfell trägt, wenn er nur brav und rechtschaffen ist, mir soll er willkommen sein; aber ich habe mir nachher auch keine Vorwürfe zu machen, wenn die Wahl nicht zum Glück meines Kindes ausschlug.«