»Aber Dietrich, Du wirst doch nicht glauben...«
»Meinen Rath hast Du gehört,« sagte ihr Gatte; »jetzt thu', was Du nicht lassen kannst – ich habe einen Weg zu gehen. Wo ist denn Ottilie?«
»Drüben in ihrem Zimmer; sie war ganz außer sich über den Antrag.«
Der alte Witte seufzte tief auf; aber er sagte kein Wort mehr, steckte seine Brille in die Tasche und verließ das Zimmer.
7.
Bei der Leiche.
Fritz Baumann, als er seines Vaters Haus verließ, schritt, seinen trüben und bitteren Gedanken folgend, der eigenen Wohnung zu. Abgewiesen und verachtet! Das war das Wort, das ihn am schmerzlichsten verwundete – verachtet gerade von ihr, an der er seine ganze Jugendzeit mit so treuer Liebe gehangen, so daß nur immer, wenn er sich ein Glück der Zukunft dachte, ihr Name in seinem Herzen freudig widerklang! Und jetzt sollte er das Alles, was er die langen Jahre gehegt und gepflegt, herausreißen und zerstören.
Mit welcher Lust war er früher an seine Arbeit gegangen, wie hatte er freudig ganze Nächte geopfert, um sich auszubilden und recht Tüchtiges zu leisten, nur immer in dem einen Gedanken, ihrer werth zu werden und sie sich zu erringen! Das schwand jetzt Alles vor den kalten, hochmüthigen Worten des jungen Mädchens, und leer und ausgestorben lag die Welt vor ihm. So in diese quälenden Erinnerungen vertieft war er auch, daß er gar nicht darauf achtete, als ein Reiter auf dem Straßenpflaster dicht an ihm vorübertrabte und den Kopf nach ihm wandte. Erst als er sein Pferd einzügelte und an ihn anritt, sah er auf und erkannte den Lieutenant von Wendelsheim.
»Herr Baumann,« rief dieser, »ich hatte Sie im ersten Augenblick gar nicht erkannt...«
»Herr Baron!« sagte Fritz erstaunt, denn es war das erste Mal, daß ihn der Officier auf der Straße anredete.
»Lieber Baumann,« sagte der junge Wendelsheim bewegt, »ich weiß, Sie haben meinen Bruder immer gern gehabt, und er hat auch viel von Ihnen gehalten; seine Arbeiten waren ja die einzigen Lichtblicke seines Lebens – er ist todt.«