»Mein armer, armer Benno,« flüsterte er dabei, »so bist auch Du hingegangen, und ich soll Dein gutes, treues Auge, Dein freundliches Lächeln nimmer wiedersehen und nie mehr den Druck deiner Hand fühlen! So leb' denn wohl – ich selber bin ein Fremder in diesen Räumen und werde sie und Dich nicht wiedersehen – leb' wohl!« – Und dabei bog er sich über die Leiche und drückte einen Kuß auf die bleichen Lippen. – »Gott lasse Dir die Erde leicht sein!«
»Amen!« sagte eine leise Stimme, und als er überrascht aufsah, denn er hatte geglaubt, daß er allein mit dem Todten im Zimmer wäre, bemerkte er Kathinka, die, halb von der einen Gardine verdeckt, am Fenster stand. Ihr bleiches liebes Antlitz war aber von Thränen überströmt, und ihr Auge hing mit tiefer Schwermuth an den Zügen der Leiche.
»Fräulein Kathinka,« sagte Fritz bewegt, »ich hatte Sie nicht gesehen – o, wie weh mir der Verlust unseres armen Benno thut!«
»Ihm ist wohl,« sagte das junge Mädchen mit leisem, traurigem Kopfnicken; »er hat Alles überstanden, und sein Tod war leicht und schmerzlos.«
»Sie waren bei ihm?«
»Ja – er starb heute Morgen in meinen Armen, gerade wie ich ihn unterstützen wollte, um sich etwas höher zu legen, denn er klagte, daß es ihm an Luft fehle. Noch sterbend hat er mir einen Gruß für Sie aufgetragen.«
»Mein armer Benno! Und sein Vater war nicht bei ihm?«
»Nein. Der Herr Baron hat in der letzten Zeit sein Zimmer fast nicht mehr verlassen.«
»Und Fräulein von Wendelsheim?«
»Sie kam auf meinen Hülferuf, und zum ersten Male habe ich sie bewegt gesehen; aber sie fürchtet sich vor Leichen: sie stand dort an der Thür und winkte mir nur zu, bei dem Todten zu bleiben.«