»Fritz, mein armer, armer Fritz!« sagte die Frau, ohne einen Blick darauf zu werfen, indem sie auf ihn zuging, seine beiden Hände ergriff und ihm voll und traurig in die Augen schaute.

»Hat Dir der Vater erzählt?« sagte der junge Mann scheu und leise.

»Alles, Alles,« nickte die Frau; »o, das stolze, hochmüthige Ding – und wenn sie wüßte, was sie an Dir hätte!«

»Liebe Mutter,« lächelte Fritz verlegen, denn er hätte sich dieses neue Aufreißen der kaum geschlossenen Wunde lieber erspart, »ich glaube, sie hat, wenn nicht liebevoll, doch sehr vernünftig gehandelt. Ich war ein wenig zu hastig – ich bin noch nichts – ich muß mir selber erst einen Namen, einen Wirkungskreis schaffen, – und wenn die Jahre auch für den Mann nicht so rasch dahinfliegen – ein junges Mädchen kann darauf nicht warten.«

»Und Du vertheidigst sie noch?« sagte die Mutter. »O, Fritz, daß ich das Herzeleid erleben mußte!« Und ihr Gesicht in die Schürze bergend, sank sie auf einen Stuhl und schluchzte laut.

»Mutter,« bat Fritz und schlang seinen Arm um sie, »meine liebe, gute Mutter, aber so beruhige Dich doch; Du siehst ja, daß ich gefaßt und wieder ruhig bin! Was ist es denn auch weiter? Ich habe eben einen Korb bekommen, was sich schon bessere Männer gefallen lassen mußten. Sieh', der Vater kommt jetzt herein – Du weißt, daß er die Thränen nicht leiden kann.«

Die Frau stand auf, warf plötzlich ihre Arme um den Nacken des Sohnes, drückte einen Kuß auf seinen Mund und verließ dann durch die Küchenthür das Zimmer in demselben Augenblick, als es der alte Baumann von der Werkstätte aus betrat.

Fritz sah ihr erstaunt nach und konnte sich gar nicht denken, weshalb sich die Mutter gerade seine Abweisung so furchtbar zu Herzen nahm. War es vielleicht deshalb, weil sie gerade ihm zugeredet und ihn in seiner Liebe und der Hoffnung, die er darauf baute, bestärkt hatte?

»Was hat nur die Mutter, Vater?« fragte er diesen. »Sie weint, als ob ihr Herz brechen müsse, daß mich Ottilie verschmäht.«

»Weiß der liebe Gott,« erwiederte kopfschüttelnd der Schlossermeister, »was ihr in die Krone gefahren ist! Aber sie war schon den ganzen Mittag so aufgeregt und unruhig, wie ich sie noch nie gesehen habe – eigentlich seit die Müller zu uns kam, die allerdings genug schwatzt, um Einem den Kopf wirbelig zu machen. Aber laß sie nur: sie wird sich schon wieder zufrieden geben, ist ja sonst eine vernünftige, resolute Frau. Und nun laß einmal sehen, was Du mitgebracht hast – ei, Du kleiner Schelm, willst Du Deine naseweisen Finger davon lassen!« – Der Ausruf galt der kleinen Else, die sich, neugierig wie Kinder sind, an die Maschine gemacht hatte und mit ihren Fingerchen die Räder in Gang zu bringen suchte. – »Du wirst dem Fritz die ganze Arbeit verderben; komm, Schatz, setz' Dich mit dem Vater her, und nun wollen wir uns die Sache einmal betrachten.«