»Was geht hier vor?« rief er, und Fritz erkannte zu seinem Erstaunen den Lieutenant Wendelsheim, den er indessen ganz vergessen hatte. Ehe er ihn aber anreden konnte, rief Einer von denen, die ihn noch immer wie in einem Schraubstock hielten, indem er die Laterne aufgriff und gegen Fritz Baumann anleuchtete:

»Mord! Bei Gott, seht, wie blutig der Kerl aussieht!«

»Herr Baumann!« rief auch jetzt der Lieutenant erschreckt. »Was ist vorgefallen? Wie kommen Sie hieher?«

»Der alte Salomon liegt da drinnen ermordet,« rief Fritz, »und mich haben die Menschen gefaßt, während sie den wirklichen Mörder entkommen ließen!«

»Salomon ermordet? Um Gottes willen, ein Licht!«

Oben an dem einen Fenster wurde der Aufschrei einer weiblichen Stimme gehört, und gleich darauf stürzte des alten Mannes Frau, an allen Gliedern zitternd, aus der Thür und dem Laden zu, aus dem ihr gellender Hülferuf gleich darauf ertönte.

Der Hof hatte sich indessen mehr und mehr mit Menschen gefüllt, und Alles drängte nach dem Laden. Wendelsheim aber fühlte, daß er hier, so lange noch keine Polizei eingetroffen war, die Leitung des Ganzen übernehmen müsse, und deshalb der Thür zuspringend, wies er die Masse zurück.

»Nur drei oder vier von Euch mögen eintreten,« sagte er, »Ihr Anderen wartet hier draußen. Ist schon Jemand auf die Polizei gelaufen? Noch nicht? Schickt augenblicklich einen Boten dorthin ab; ich werde so lange hier bleiben. Sie, Freund,« wandte er sich dann an einen ordentlich aussehenden Mann, der auch mit von der Straße hereingekommen war, »seien Sie so gut und fassen Sie an der Thür Posto, daß Niemand weiter eindrängt. Den jungen Mann da könnt Ihr ruhig loslassen; ich glaube nicht, daß er den Mord begangen hat.«

»Abwarten,« sagte der Bierbrauer, der nicht die geringste Lust hatte, sich die eingefangene Beute entgehen zu lassen. »Wovon ist denn der Bursche so blutig geworden? Wenn wir ihn jetzt loslassen, ist er in einer Viertelstunde über alle Berge. Gebt einmal einen Strick her, daß wir ihm die Hände ein bischen zusammenschnüren können.«

Wendelsheim hörte schon nicht mehr, was er sprach, denn er war jetzt ebenfalls in den Laden gesprungen, um dort zu sehen, was geschehen sei, und die alte Frau zu unterstützen. – –