»Ich muß in der Tat gestehen...« sagte dieser.

»Also ist die Verkleidung gelungen?« lachte plötzlich der junge Mann, und mit einem Griff nach dem Munde stand er ohne Schnurrbart vor dem dadurch allerdings überraschten Grafen.

»Madame Bertrand!« rief dieser aber auch im nächsten Augenblicke erstaunt aus.

»Bst – nicht so laut!« warnte die mutwillige junge Frau, indem sie dem Grafen lachend mit dem Finger drohte. »Ihr Bursche braucht gerade nicht mit in das Geheimnis gezogen zu werden.«

»Aber was, um Gotteswillen, hat Sie bewegen können...«

»In Verkleidung zu Ihnen zu kommen?« unterbrach ihn die Schöne. – »In anderer Weise konnte ich Ihnen keinen Gegenbesuch abstatten, ohne sämtlichen Kaffeegesellschaften der Residenz auf wenigstens drei Wochen Stoff zur Unterhaltung zu liefern. Die Verkleidung schlägt aber in meinen Beruf, und daß ich geschickt darin bin, hab' ich Ihnen, glaub' ich, bewiesen. Doch Scherz beiseite,« setzte sie plötzlich, ernster werdend, hinzu, »ich mußte Sie sprechen, und da Sie uns nicht mehr mit Ihrem Besuche beehrten, so blieb mir keine andere Wahl, als Sie aufzusuchen. Das Resultat sehen Sie vor sich.«

»Und haben Sie nicht bedacht, welchen Mißdeutungen Sie sich durch einen solchen Schritt aussetzen?« sagte der Graf ernst.

Die junge, schöne Frau warf den Kopf mit einem halb spöttischen, halb verdrießlichen Lächeln zur Seite.

»Von dem Rittmeister eines Kürassierregiments hatte ich allerdings einen anderen Empfang erwartet,« lächelte sie dabei, »als eine ernste Strafpredigt und Ermahnung. Doch wie dem auch sei, mein Herr Graf, ich bin einmal da, und Sie werden mich hoffentlich nicht wieder fortschicken, ohne mich wenigstens zu hören.«

Graf von Geyerstein war in peinlicher Verlegenheit, aber allerdings blieb ihm hier keine andere Wahl, als die Dame eben gewähren zu lassen, und er bat sie artig, dann wenigstens auf dem Sofa Platz zu nehmen. Er selber rückte sich einen Stuhl zum Tisch und wollte sich eben darauf niederlassen, als Madame Bertrand lachend sagte: »Selbst das kann ich Ihnen nicht gestatten, – Sie müssen sich zu mir auf das Sofa setzen, denn was ich Ihnen zu sagen habe, möchte ich eben nicht laut schreien. Fürchten Sie sich vor mir?«