Ihr dunkles Auge brannte ihm dabei entgegen, und der Graf sagte artig: »Ich unterschätze wenigstens die Gefahr nicht – aber wie Sie wollen. Und welcher Ursache verdanke ich jetzt die Ehre dieses so – unverhofften Besuches?«
»Ich danke Ihnen, daß Sie kein härteres Wort dafür gebrauchten,« sagte die schöne Frau, »aber ein eigentümlicher Grund ist es in der Tat, der mich zu Ihnen führt, und zwar kein geringerer als – mein Mann.«
»Monsieur Bertrand?«
»Derselbe. Seit dem Besuch bei Ihnen, Herr Graf, kenne ich ihn nicht mehr. Er ist vollständig ein anderer Mensch geworden: trüb, ineinander gebrochen, zurückhaltend, scheu und – das Schlimmste für ihn und uns alle – verzagt. Die Zeit über habe ich es auch ertragen und geglaubt, er selber würde es mir endlich gestehen, was ihn drückt, denn drücken muß ihn etwas – etwas muß ihm auf der Seele liegen, das den sonst so kräftigen, elastischen Geist mit eiserner Schwere darniederhält; aber er bleibt stumm, und ich bin fest überzeugt, niemand kann mir darüber Auskunft geben als Sie.«
»Aber welchen Einfluß könnte ich auf ihn ausgeübt haben?« sagte der Graf, der nichts weniger wünschte, als mit des Bruders Gattin in diesem Augenblicke den Seelenzustand desselben zu besprechen.
»Das ist auch mir rätselhaft,« erwiderte die Frau, indem sie ihm fest und forschend ins Auge sah, »denn ich hatte bis jetzt nicht geglaubt, daß irgend ein Mensch imstande sei, den tollkühnen, vor nichts zurückschreckenden Bertrand zu zähmen. Aber zahm ist er geworden, seit er Sie gesprochen.«
»Wir haben uns allerdings nur über sehr zahme und alltägliche Sachen unterhalten,« lächelte der Rittmeister. »Ist aber wirklich eine Verwandlung in seinem Charakter, sich einer ruhigen Richtung zuzuwenden eingetreten, so mag er die vielleicht schon früher gefaßt haben; warum soll ich die Schuld deshalb tragen? – wäre überdies eine Schuld dabei? Sie selber haben doch gewiß auch schon manchmal an die Zukunft für sich, für Ihre Tochter gedacht, und können doch nur wünschen, diese gesichert zu sehen.«
»Allerdings habe ich das!« rief Georgine, und ihre ganze Gestalt hob sich dabei, ihr Auge blitzte. »Josefine soll und muß die gefeiertste Reiterin Europas werden.«
»Und Sie selber? – wenn Sie einmal altern?«
»Die Zeit liegt noch fern,« sagte die junge schöne Frau, indem ein leichtes trotziges Lächeln ihre Lippen umspielte, »und an eine Zukunft für mich habe ich noch nie gedacht.«